Lieber schwarz? Oder doch blond? Junge oder eher ein Mädchen? Selbst wer sich nicht rechtzeitig um das maßgeschneiderte Kind gekümmert hat, kann das Versäumnis problemlos wieder gutmachen. Der grünhaarige Dr. Teufel, der gerade den Kollegen Gott vertritt, bietet großzügig eine Umtauschaktion an: Fehlerhaftes "Kindermaterial" recycelt er zu perfekten Menschen. Auch bei ihm selbst hat der genetische Eingriff offensichtlich wunderbar funktioniert: Die klassischen Teufelsattribute sind spurlos verschwunden.

Zum Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen hat RambaZamba mit "Mongopolis - Fisch oder Ente" ein Stück erarbeitet, das von den existenziellen Themen der Theatertruppe handelt. Es geht um Genforschung, Pränataldiagnostik und Präimplantationsdiagnostik. Oder einfach darum, dass die Menschen, die in diesem Theaterstück auf der Bühne stehen, heutzutage kaum eine Chance hätten, ihre Talente zu zeigen, weil sie vorher schon längst beim Biomüll gelandet wären, wie es in "Mongopolis" heißt.

Vor zwölf Jahren wurde RambaZamba, das sich selbst das "total verrückte Theater" nennt, unter dem Dach der Kunstwerkstatt Sonnenuhr gegründet. Vierzehn abendfüllende Inszenierungen haben die beiden Regisseure Gisela Höhne und Klaus Erfurt zusammen mit den behinderten Schauspielern erarbeitet. Viele davon sind zu Festivals in ganz Europa eingeladen und ausgezeichnet worden. Der Entstehungsprozess zieht sich über Monate hin, denn die Akteure gehen tagsüber ihrer Arbeit in beschützten Werkstätten nach und können erst danach proben.

In "Mongopolis" haben Ensemble und Regisseurin Gisela Höhne von der Schöpfungsgeschichte bis zu Krimielementen viel reingepackt und einen beeindruckenden Abend gestaltet, der keinen Zuschauer unberührt lässt. Auch die heute im Theater unverzichtbare Video-Kamera kommt zum Einsatz. Wobei das in dieser Inszenierung auch tatsächlich einen Sinn macht.

"Mongopolis": Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, Tiergarten. Tel.: 44 04 90 45. Heute, morgen sowie 17./18./31.10., jeweils 19 Uhr. 11/ 8 Euro.