O.E. Hasse: Der ewige Teufels-General

Er war der Mann mit der regierenden Stimme, markant, autoritär. O.E. Hasse war vielleicht der einzige unter den großen Berliner Schauspielern, der Ernst Reuter kongenial hätte verkörpern können. O.E. Hasse war auf der Bühne ein Markenartikel. Er kennzeichnete das Berliner Nachkriegs-Theater auf eindringliche Weise.

Als er im Oktober 1945 im Zehlendorfer Jürgen-Fehling-Theater antrat (er spielte neben Joana Maria Gorvin den Mephisto im "Urfaust") war er schon ein durchaus umtriebiger, erfolgreicher Schauspieler. 1903 geboren, war er bereits über die 40 hinaus, aber erst jetzt fand er seine wahre Statur. Im Hebbel-Theater spielte er unter Karl Heinz Stroux "Wir sind noch einmal davongekommen" - und tatsächlich, das waren wir wirklich. Wir erschauerten im Parkett. Und das taten wir abermals, als Fehling mit O.E. Hasse Sartres "Die Fliegen" inszenierte, und Sartre erschauerte mit, wenn auch aus anderen Gründen. Davon und von vielem mehr erzählt eine kleine Ausstellung der Akademie der Künste anlässlich des 100. Geburtstags ihres ehemaligen Mitglieds O.E.Hasse.

Alsbald wechselte er zu Barlog ans Schlosspark-, später ans Schiller-Theater. In Steglitz fand er seine Paraderolle: Hasse war "Des Teufels General" in Zuckmayers aufwühlendem Schauspiel - und dies blieb er geradezu unaufhörlich. Berlin konnte sich nicht satt hören und sehen an seiner Suada, seiner Spracheleganz, dem phänommenalen Schnitt seiner Uniformen. Andere hatten vielleicht einen Kostümkopf, Hasse besaß einen Uniformkopf der Generalsklasse. Wer ihn hörte und sah, riss noch im Parkett die Knochen zusammen.

Natürlich hat er auch kräftig gefilmt. Er war unter seinem Lieblingsregisseur Alfred Weidenmann ein undurchschaubarer "Canaris", und selbst Hitchcock verfiel Hasses gefährlich geschliffenem Bann. Er stellte in "I confess" O.E. Hasse neben Montgomery Clift. Der Film hatte einen Nachteil: ohne Grace Kelly auskommen zu müssen.

"Fetzen aus meinem Leben" heisst die Schau. Sie hat leider auch die Erinnerung an Sebastian Fischer herausgefetzt, quasi das "Blonde vom Ei": O.E. Hasse nicht einzig im "Wallenstein" ein unvergesslicher Lieblingspartner.

Akademie der Künste (Foyer), Hanseatenweg 10, Tiergarten. Tel.: 39 07 60. Bis 30. 9., tgl. 11 - 20 Uhr. Eintritt frei.

Klaus Geitel