Quiz-Fieber in Berliner Kneipen

"Wie viele Ecken hat ein Tetragon?", fragt Quizmaster Hendryk Ekdahl. In den Gesichtern der Kneipengäste stehen große Fragezeichen geschrieben.

"Wie viele Ecken hat ein Tetragon?", fragt Quizmaster Hendryk Ekdahl. In den Gesichtern der Kneipengäste stehen große Fragezeichen geschrieben. (Richtige Antwort: vier Ecken) Auch die nächsten Fragen bringen das Gehirn auf Hochtouren. Der Name des schusseligen Professors in der Sesamstraße wird gesucht (richtig: Professor Hastig), und wie viele Schnittpunkte haben eigentlich die olympischen Ringe? (Richtige Antwort: 8).

Montag findet Quizz-O-Rama im Hafen an der Motzstraße statt. In der kleinen Bar treffen sich seit fünf Jahren Quizfans, Flirter sowie Besserwisser und versuchen den ersten Platz zu erringen. Insgesamt müssen 20 Fragen beantwortet werden, vom Anagramm "Ute Nasenkater", hinter dem sich eine deutsche Politikerin verbirgt (richtig: Renate Künast), bis zum Küchenkraut, das herumgereicht wird. An letzterem wird geschnuppert, die Blätter zwischen den Fingern zerrieben und manchmal sogar geknabbert. Des Rätsels Lösung lautet an diesem Abend: Bärlauch.

Mehr als 5000 Fragen hat sich Hendryk Ekdahl in den vergangenen Jahren einfallen lassen. Seine besten Quellen sind Zeitungen, Fernsehen und Freunde. Kürzlich erzählte ihm jemand von der Glühbirne in einer Feuerwache in Kalifornien, die seit Jahrzehnten brennt. Funktioniert sie seit 1901, 1928 oder 1939, lautete die Frage. (Richtig: 1901)

Die ersten Quizzer erscheinen um 22 Uhr, bereits eine halbe Stunde später platzt die Kneipe aus allen Nähten. Der Wettbewerb untereinander ist groß. Mancher Gast verschwindet in der Pause heimlich vor die Tür, zückt das Handy und nutzt den nicht erlaubten "Telefonjoker". Die Antwort-Zettel liegen stets verkehrt auf den Holztischen, so kann keiner abschreiben. Aber gern werden Antworten getauscht. "Die Gäste kommen so schnell miteinander in Kontakt", sagt Hendryk. Ideal zum Flirten.

Die Idee brachte der Sänger der Snoopy Lads aus London mit. Dort hat der Kneipenquiz Tradition. Auch im irischen Pub Celtic Cottage an der Markelstraße wird jeden Montag um die Wette geraten. Christian Relle und Mario Fesler haben ihre Leidenschaft zur Profession gemacht. Die Stammgäste waren bei fast jedem Quiz dabei; als der Moderator krank wurde, schlug ihre Stunden. Seit 2004 sind sie nun die Quizmaster. Für beide fast ein Vollzeitjob, denn Rätselabende sind im Trend. "Immer mehr Pubs fragen bei uns an", sagt Mario Fesler. Früher war der Montag der umsatzschwächste Tag im Celtic Cottage, inzwischen wird zum Wochenbeginn das meiste Bier gezapft.

Kein Wunder, dass auch andere Wirte auf diese Weise ihr Geschäft ankurbeln wollen. So ist aus dem Duo längst ein Pool von sechs Quizmastern geworden, die in sieben Kneipen der Stadt regelmäßig Rätsel aufgeben. Etwa: Wie heißt die Hauptstadt von Australien? (Richtig: Canberra)