Olympia

Prima Klima für Lima

IOC-Reform gibt Bewerbern wie Berlin bessere Chancen – Kür des Ausrichters 2017 in Peru

Diese Frage durfte nicht fehlen, auch wenn sie sonst nur Sportlern nach Triumphen gestellt wird: „Herr Bach, wie werden Sie den heutigen Tag feiern?“ Lächelnd wich der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) der Frage aus, sein Mediendirektor Mark Adams witzelte: „Er geht im Meer schwimmen“, doch war Bach die Genugtuung über einen „fantastischen Tag“ ohnehin anzusehen.

40 Empfehlungen umfasste sein zur „Olympischen Agenda 2020“ hochgejazztes Zukunftspapier. Und als sie am Montag Punkt für Punkt jeweils ohne eine einzige Gegenstimme abgenickt waren, bemühte der Deutsche den Superlativ: „Selbst in meinen kühnsten Träumen hätte ich das nicht erwartet. Das zeigt die große Entschlossenheit der Mitglieder, diesen Fortschritt, diese Reformen, all das Wirklichkeit werden zu lassen.“ 83 Wortmeldungen gab es aus dem Plenum, allesamt „konstruktiv“, kaum Kritik – so hat ein Präsident das gern.

Seit 15 Monaten erst bekleidet Bach das höchste Amt im Weltsport. In dieser Zeit ist es ihm offenkundig blendend gelungen, dem elitären Kreis der Ringebewahrer einzubimsen, dass Olympia eher früher als später Veränderungen nötig hat. Gemäß seinem Mantra „Einheit in Vielfalt“ ist es dem 60-Jährigen gelungen, erfolgreich einen Prozess zu moderieren, der nicht immer ohne Reibungen gewesen sein kann. „Ich weiß, dass einige Entscheidungen für manche Mitglieder nicht leicht zu schlucken gewesen sind“, sagte Bach jovial.

Ob die beschlossenen Veränderungen – u.a. geringere Bewerbungskosten für potenzielle Ausrichterstädte, das Verbot von sexueller Diskriminierung in der olympischen Charta, größere Flexibilität bei der Durchführung der Spiele – sich als der proklamierte große Wurf erweisen, muss das IOC zwar erst noch beweisen.

Als großer Anführer gefeiert

Mit der vergleichsweise rasanten Durchsetzung der „Agenda 2020“ hat der Fechtolympiasieger von 1976 schon nach gut einem Jahr von mindestens acht Jahren Amtszeit aber etwas geschaffen, was später mal als Vermächtnis bezeichnet werden könnte. Bach, der Erneuerer – die Bezeichnung dürfte ihm gefallen. Auch wenn der Jurist das öffentlich nie so sagen würde. „Thomas Bach ist ein Mann auf einer Mission“, staunt stellvertretend die BBC über die Verve, die der Deutsche an den Tag legt. Weltweit wird dem wendigen Wirtschaftlobbyisten aus Tauberbischofsheim zugetraut, eine der wertvollsten Marken auf dem Planeten so anpassungsfähig zu machen, dass ihre Strahlkraft erhalten bleibt.

Kritik wie jene an Putins Winterspektakel in Sotschi perlt am Präsidenten ab. Ist nicht Olympia rentabel wie eine gut geölte Maschine? IOC-Mitglieder beeindruckt Bachs Pragmatismus. Kirsty Coventry, 31, aus Simbabwe rühmte den Neuen an der Spitze schon euphorisch via Twitter als #greatleader – als großen Anführer. Montagabend wurde Bach gefragt, ob er erstaunt gewesen sei, dass Fifa-Präsident Sepp Blatter, 78, einem Alterslimit zu- statt dagegen gestimmt habe. Bach antwortete listig: „Ich freue mich über die einstimmige Zustimmung zu allen 40 Empfehlungen“, und dann lachte er sein glucksendes Mich-kriegt-ihr-nicht-so-leicht-Lachen, das typisch für ihn ist, wenn er eine Falle besonders elegant übersprungen hat.

Das IOC plant, die neu beschlossene Beratungsphase für interessierte Bewerber für die Spiele 2024 bereits am 15. Januar zu starten. Kandidaten wie Berlin oder Hamburg haben so die Möglichkeit, bereits vor der Einreichung ihrer Bewerbung Fragen zu diskutieren. Diese Neuausrichtung sei ein wichtiges Signal und böte wesentlich mehr Flexibilität, sagte Alfons Hörmann, der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) . Sie könnten nun noch einmal neu nachdenken und verstärkt auf temporäre Bauten setzen. Nur eine gemeinsame Bewerbung schloss er aus. „Das passt zur Berliner Interessenbekundung, die viele der jetzt beschlossenen Änderungen bereits vorweggenommen hat“, interpretierte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit.

Berlins vorweggenommener Plan

In Berlins Planungen sind vorhandene Strukturen in Ostdeutschland mit Kanu, Rudern, Dressurreiten und Golf in Brandenburg, Wildwasser-Kanu in Markkleeberg (Sachsen), Fußball in Dresden, Rostock und Magdeburg bereits eingebunden, zudem sollen die Schwimmer in Tegel nur eine temporäre Tribüne bekommen. „Für uns ist diese Reform ein großer Schritt in die richtige Richtung“, glaubt Klaus Böger, Präsident des Landessportbundes (LSB). „Und natürlich können wir nun auch über weitere Änderungen im Konzept diskutieren.“ Viel Zeit bleibt allerdings nicht, denn schon Mitte März wählt der DOSB die deutsche Bewerberstadt aus.

Und noch eins steht fest: Die Reise zur IOC-Entscheidung 2017 würde nicht billig. Der Ausrichter der Spiele 2024 wird dann in Lima gekürt. Die Hauptstadt Perus setzte sich mit 54:30 gegen Helsinki durch.