Joachim Löw hat Jonas Hector als einzigen Neuling in das Aufgebot der Fußball-Nationalmannschaft berufen. Auf weitere personelle Experimente verzichtete der Bundestrainer bei seiner Kaderwahl für die letzten zwei Länderspiele im WM-Jahr 2014. Die zuletzt verletzten Weltmeister Sami Khedira und Benedikt Höwedes kehren ins DFB-Team zurück. Auch Marco Reus zählt für die Partien in der EM-Qualifikation am Freitag kommender Woche in Nürnberg gegen Gibraltar sowie vier Tage später beim Test in Vigo gegen Spanien wieder zum 23-köpfigen Aufgebot. „Wir gehen mit einem breiten Kader in die beiden Spiele und möchten das Jahr möglichst positiv beschließen“, sagte Löw.
Einzige große Überraschung im Aufgebot ist der Kölner Hector, der mit 24 Jahren nach dem Bundesliga-Debüt im August nun den Aufstieg in den illustren Kreis des Weltmeister-Teams fand. Vom Aschenplatz in die deutsche Nationalmannschaft war es ein kurzer Weg. Noch im Alter von 20 Jahren kickte der Linksverteidiger des 1. FC Köln fast unentdeckt beim Oberligisten SV Auersmacher auf staubigem Untergrund, gut vier Jahre später steht Hector plötzlich im Aufgebot von Bundestrainer Löw – ohne jemals für eine deutsche Jugendauswahl aufgelaufen zu sein. „Ich kann es noch gar nicht richtig fassen, dass ich jetzt zum ersten Mal für die Nationalmannschaft nominiert bin“, sagt Hector.
Profis wie ihn sollte es eigentlich gar nicht mehr geben. Denn lange Zeit durch alle Scouting-Raster gefallen, hatte der Linksfuß sich vor fünf Jahren schon beinahe mit einer beschaulichen Karriere in seinem Heimatörtchen im Saarland abgefunden. „Wenn mir damals einer gesagt hätte, dass ich mal als Stammspieler im Profifußball landen würde, hätte ich ihn für bekloppt erklärt“, sagte er einmal in der „Kölnischen Rundschau“.
Doch angesichts seiner starken Leistungen in Auersmacher ging plötzlich doch alles ganz schnell. Im Winter 2009 reichte es immerhin zu einem Probetraining bei der Reserve Bayern Münchens. Wenig später sollen Hoffenheim, Stuttgart und Bochum Interesse gezeigt haben, doch Hector landete in der U21 des 1. FC Köln – auch, weil die Rheinmetropole nicht so weit weg war von der Heimat. Noch als zentraler Mittelfeldspieler schaffte er den Sprung in die Regionalliga spielend, wurde schnell zur wichtigen Stammkraft. Im Sommer 2012 stellte Holger Stanislawski ihn schließlich auf die linke Abwehrseite bei den Profis, und auch hier passte Hector sich schnell an das neue Niveau an. So langsam begannen nun die Diskussionen, ob Hector mit seiner technisch starken, abgeklärten Spielweise nicht sogar einer für die Nationalmannschaft wäre. Dort ist er jetzt tatsächlich angekommen.
dpa/sid

