- Hertha ist abgestiegen - aber warum eigentlich? Welche Spieler zeigten genug Qualität für die Bundesliga? Wer hat unter dem Niveau agiert? Die Morgenpost hat dem Hertha-Kader ein Zeugnis ausgestellt.

Bundesliga-Niveau

Thomas Kraft Herthas neuer Torwart erwies sich als echte Verstärkung. Mit seinen Paraden bewahrte er Hertha vor dem sonst sicheren Abstieg. Wird in Berlin bleiben - ein Glücksgriff.

Christian Lell Der Rechtsverteidiger startete stark. Von Spiel zu Spiel steigerte er seine Aktivitäten im Spiel nach vorne, zwei Vorlagen und ein Tor stehen zu Buche. Seine Leistungen brachen mit dem Abgang von Markus Babbel ein. Das Niveau des ersten Saisondrittels erreichte er zu keiner Zeit wieder.

Roman Hubnik Der Tscheche spielte eine starke Hinrunde. Seit dem Jahreswechsel aber schwankten seine Leistungen. Konnte wegen einiger Blessuren im Saisonfinale nur eingeschränkt eingreifen.

Levan Kobiashvili Der Routinier schwang sich besonders in der zweiten Saisonhälfte zum Leistungsträger auf und gab einen würdigen Kapitän. Seine Routine wird Hertha irgendwann fehlen.

Raffael Der Brasilianer zeigte eine ordentliche Saison mit allen Höhen und Tiefen. Unvergessen sein Auftritt beim Sieg in Dortmund, zeigte aber auch lust- und disziplinlose Partien.

Christoph Janker Fast schon abgeschrieben, bekam Janker durch die Verletztenmisere seine Chance - und dankte es mit stabilen Leistungen in der Abwehr.

Peter Niemeyer Der Blondschopf machte seinem Ruf als Vorkämpfer alle Ehre, er war neben Thomas Kraft der einzige Motivator. War in der eingespielten Kombination mit Andreas Ottl immer der agilere Spieler und avancierte zudem zum Liebling der Fans.

Pierre-Michel Lasogga Alles ist dem 20-Jährigen noch nicht gelungen, aber der Youngster spielte eine starke Debüt-Saison im Oberhaus. Mit acht Toren bester Schütze. Bitter: Im Saisonfinale riss sein Kreuzband.

Zweitliga-Niveau

André Mijatovic Herthas Kapitän erlebte eine Saison zum Vergessen. Bei 25 Einsätzen hätte sich sein Vertrag automatisch verlängert - er blieb bei 21 stehen. Zuvor hatten seine Leistungen stetig nachgelassen. Zeigte sich immer bemüht, aber häufig zu langsam und hüftsteif.

Maik Franz Der Zugang aus Frankfurt war der Pechvogel der Saison. Erst brach er sich das Nasenbein, dann riss sein Kreuzband. Es war sein zweiter Abstieg in Folge, beide Male war er verletzt.

Felix Bastians Kam im Winter vom SC Freiburg. Er fiel vor allem durch seine Vielseitigkeit positiv auf. Im Abwehrverhalten nicht besser oder schlechter als seine Mitspieler. Aber: Er deutete an, dass er gefährliche Flanken schlagen kann.

Fanol Perdedaj Die Entdeckung der Saison. Perdedaj brachte etwas mit, das man sonst so schmerzlich vermisste bei Hertha: Einsatzwillen.

Andreas Ottl Der 27-Jährige kam vor der Saison mit allerhand Vorschusslorbeer vom FC Bayern. Doch Ottl agierte bestenfalls als Mitläufer. Akzente im Spiel nach vorne gingen fast nie von ihm aus.

Patrick Ebert Herthas dienstältester Spieler hat die letzte Chance verpasst, sich beim Klub seines Herzens durchzusetzen. Er ackerte viel, doch seine Aktionen waren selten von Erfolg gekrönt.

Ronny Der Brasilianer schien der große Gewinner der Wintervorbereitung unter Neutrainer Michael Skibbe zu werden. Während der Sperre von Raffael redete ihn Skibbe zum neuen Spielmacher hoch - und nahm ihn nach 45 Minuten vom Feld.

Tunay Torun Den Durchbruch schaffte er nicht, auch wenn vier Tore für seine Position und nur 19 Einsätze ein guter Wert sind. Doch zwischen diesen guten Auftritten gab es zu viele Partien, in denen er das Spiel nicht weiterentwickelte.

Änis Ben-Hatira Der Deutsch-Tunesier dockte wenige Wochen nach Torun bei Hertha an. Und erwischte gegen den 1. FC Köln einen Gala-Einstand mit zwei Vorlagen. Danach verschwand er in der Versenkung, kehrte erst zum Endspurt zurück.

Nikita Rukavytsya Der Australier wirbelte seine Seite mit einer unfassbaren Geschwindigkeit durcheinander, doch insgesamt kam dabei zu wenig heraus. Ein Tor, drei Vorlagen.

Adrian Ramos Der Kolumbianer, einst mit Raffael wichtigster Mann in Herthas Offensive, war nur ein Schatten seiner selbst. Sechs Tore sind für einen Stürmer seiner Güte ganz einfach zu wenig. Verstolperte Bälle, stellte Laufwege zu und vergab zu viele Chancen.

Alfredo Morales Kam auf acht unspektakuläre Einsätze, der 22-Jährige braucht noch Zeit.

Fabian Lustenberger Fand erst spät in die Saison, nur zwölf Mal berücksichtigt. Fehlte zuletzt wegen einer Fußprellung.

Ohne Wertung

Sascha Burchert, Marco Djuricin, Fabian Holland und Sebastian Neumann absolvierten zu wenig Spiele, um bewertet zu werden.