Kaweh Niroomand

Software im Gepäck, Volleyball im Herzen

Top-Manager Kaweh Niroomand kam 1973 als Student nach Berlin - und prägt seine Sportart seither wie kein anderer

- Am Montag in einem Vorort von Paris, Dienstag in London, am Donnerstag ein Meeting in Dubai und am Freitag auf dem Rückweg ein reservierter Mietwagen in Italien. Ein Reiseplan wie dieser ist für Kaweh Niroomand nichts Ungewöhnliches. Der Manager der BR Volleys leitet den im Bereich Hotellerie und Gastronomie größten Software-Hersteller der Welt in Europa, Afrika und dem Mittleren Osten. Und doch wird in seinen Büros in Berlin und Neuss streng darauf geachtet, dass Niroomand, wann immer möglich, dort stehen kann, wo er so gern steht. Am Ende des Kabinengangs in der Max-Schmeling-Halle, wenn seine BR Volleys spielen, sich über Fehler ärgern, Erfolge freuen oder über die Schiedsrichter oder gegnerische Trainer meckern kann.

"Das klappt leider nicht immer", sagt Niroomand, der - Ostern sei dank - heute beim ersten Finale der BR Volleys in Haching (19.30 Uhr) problemlos mit dabei sein kann. "Ich konnte beispielsweise beim dritten Halbfinale in Friedrichshafen nicht vor Ort sein. Aber das kann auch nicht anders sein, das eine ist mein Hobby und mein Ehrenamt, das andere mein Beruf und der hat natürlich Vorrang."

Dass seine Verbindung zum Berliner Volleyball bald 40 Jahre währt, war nicht geplant. "Ich kam 1973 als Student nach Berlin, hatte beim VC Hannover in der Bundesliga gespielt und wollte beim Verein der Saunafreunde nur mittrainieren", erzählt der heute 59-Jährige. Dann habe er für den VdS gespielt und Anfang 1981 sei eines Tages sein damaliger Coach Andrzej Niemczyk gekommen und habe ihm gesagt: "Musst du das hier jetzt übernehmen. Ich werde Bundestrainer. "

Mit der Frage "Warum gerade ich?" hat sich Niroomand nicht lange aufgehalten. Er wurde Spielertrainer und Trainer, hat die Mannschaft aufgebaut, nach vorn gebracht, bis das alles für die Saunafreunde eine Nummer zu groß wurde und er und sein Team beim SCC eine neue Heimat fanden. Die SCC-Ära ging nach 20 Jahren im Sommer 2011 zu Ende und die der BR Volleys begann. Aus dem Studenten ist ein europäischer Top-Manager geworden - und er ist immer noch dabei. Warum?

Schulsprecher am Gymnasium

"Man sagt so etwas nicht gern über sich", windet sich der Mann mit den iranischen Wurzeln etwas. "Aber ich habe mir neben den aktuellen Aufgaben und Herausforderungen etwas gesucht, was in meinen Augen übergreifender war. Ich war am Gymnasium Klassensprecher, obwohl ich der einzige Ausländer war, später auch Schulsprecher. An der Uni war ich lange in iranischen Studentengruppen aktiv." Sein Engagement im Volleyball sehe er auch als ein gesellschaftliches und "mittlerweile ist es ja auch so, dass ich dem Volleyball sehr viel zu verdanken habe. Manager eines erfolgreichen Klubs zu sein, bedeutet viel Mühe und Arbeit, aber man bekommt dafür auch große Anerkennung." Und natürlich macht ihm noch immer das Gewinnen Spaß. "Nach unserem letzten Sieg gegen Friedrichshafen habe ich erst mal auf der Bank gesessen und ins Publikum geschaut. Früher in der Sömmering-Halle wären die Zuschauer gleich nach dem letzten Ballwechsel nach Hause gegangen, jetzt gab es noch minutenlangen Applaus."

Von über 7000 Zuschauern. Ein Moment der Genugtuung, für den Niroomand vor einem Jahr mit dem endgültigen Umzug in die Schmeling-Halle ein großes - auch finanzielles - Wagnis eingegangen ist. "Wir haben das intern hart diskutiert", erzählt der Manager. "Ich habe gesagt, der ICE fährt ab, Alba und die Eisbären sind in die O2 World gezogen, die Füchse haben sich etabliert, der Fußball ist außen vor. Wenn wir auf den Zug springen, werden wir wohl nie ganz nach vorn kommen, aber vielleicht die fünfte Kraft. Wenn nicht, sind wir einer von 120 erfolgreichen Berliner Bundesligisten."

Der Einfluss hat klare Grenzen

Die Frage, ob der Manager auch Mäzen des Klubs ist, beantwortet Niroomand vielsagend mit dem Satz, dass er ab und an mal "den Libero hinter dem Etat" gäbe. In allen anderen Bereichen zieht er allerdings klare Grenzen. "Ich kenne doch die Position des Trainers ganz genau, weiß, wie weit man gehen darf." Austausch ja, aber keine Bevormundung. Niroomands Credo, im Beruf und im Klub: "Je mehr Rechte und Selbstständigkeit der hat, der die Verantwortung trägt, desto besser für die Sache." Eines sei aber klar: Nach außen spreche der Klub abseits des Sportlichen nur mit einer Stimme, nämlich seiner, sagt der Volleys-Manager. "Das ist in anderen Klubs ganz genauso."

Natürlich wäre der Meistertitel die Kirsche auf der Sahne, aber Niroomand ist auch schon jetzt mit der Saison zufrieden. Der Umzug habe geklappt, die Infrastruktur sei professionalisiert. An Ideen, wie sein Klub weiter wachsen kann, fehlt es nicht. Sorgen mache ihm "die Liga, denn wir und Friedrichshafen können nicht allein den deutschen Volleyball stemmen". Darüber wird zu reden sein - die nächsten Aufgaben für den Macher warten.