Dabei hat es in der Stadt durchaus bemerkenswerte Auftritte der Berufsrennfahrer gegeben - ohne, dass sich daraus ein Veranstaltungsfixpunkt analog zum Sechstagerennen entwickeln konnte.

Das soll sich mit der Premiere der Profis beim Velothon ändern. "Wir wollen zu einem festen Bestandteil im Radkalender werden und bis 2013 auch in die höchste Rennkategorie aufsteigen", umreißt Renndirektor Erik Zabel (40) die ehrgeizigen Pläne.

In der allerhöchsten Kategorie vollzog sich ein radsportliches Husarenstück 1987. Anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins wurde der Start zur Tour de France an der Spree vollzogen. In der damals noch geteilten Stadt ein Politikum.

Der Berliner Senat unter dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) investierte drei Millionen D-Mark Stargebühr, und der Tour-Tross rollte pünktlich am 1. Juli über die Startrampe. Der Niederländer Jelle Nijdam gewann den Prolog, sein Landsmann Nico Verhoeven die kurze Etappe über 105 km und das Team des späteren Tour-Siegers Stephen Roche - der Ire gewann in diesem Jahr als erster Fahrer seit Eddy Merckx (Belgien) die Tour de France, den Giro d'Italia und die Straßen-WM - siegte im Mannschaftszeitfahren. 140 TV-Stationen hatten mit ihren Berichten Anteil daran, dass die "Frontstadt" für drei Tage ins Rampenlicht gerückt wurde. Und DDR-Sportchef Manfred Ewald schäumte über den Versuch "gewisser reaktionärer westlicher Kreise", durch "große Manifestationen in West-Berlin den Wert der 750-Jahr-Feier in Berlin als Hauptstadt der DDR herabzumindern".

Doch so schnell sich die Wellen der Begeisterung respektive der Erregung aufgetürmt hatten, so schnell waren sie auch wieder verebbt. Während sich bis heute, allen finanziellen, umweltbedingten oder behördlich vorgegebenen Auflagen zum Trotz Amateurrennen in Berlin ihren festen Platz erhalten haben, blieb es dem RC Charlottenburg vorbehalten, mit seiner City-Night das einzige Profiradrennen innerhalb der Stadtgrenzen zu veranstalten. 1997 gewann ein gewisser Erik Zabel die zwölfte und vorläufig letzte Auflage. 1998 sollte die angekündigte Teilnahme des damals noch unbescholtenen Tour-de-France-Siegers Jan Ullrich die Zuschauer zu Tausenden an die Strecke locken. Trotz seiner Start-Zusage - auch das Team Telekom wollte auf die Strecke gehen - fiel die für den 4. September in Berlin geplante Veranstaltung aus. Dem RC Charlottenburg fehlte die Hälfte des Gesamtetats von 400 000 Mark. Schon 1995 und 1996 war das Rennen abgesagt worden.

Von der Kombination Jedermann-Rennen und Profisport erhoffen sich die Velothon-Organisatoren einen erfolgreichen Neubeginn für Berlin. Er kann gelingen. Allerdings nur, wenn auf Dauer die Spitzenteams in den Startlisten zu finden sind und sich Schlagzeilen wieder aus dem Sport-Geschehen formulieren lassen.