Basketball

Heimkehr des sanften Riesen

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Dietmar Wenck

Für einen Basketballprofi ist Stephen Arigbabu ziemlich früh auf den Beinen. Noch bevor seine Kinder Danelle (9) und Jason (7) in die Schule gehen, schaltet er den Computer an, setzt Kopfhörer auf, wählt sich bei "Skype" ein und lächelt in die Webcam.

Die neue Technik ist zurzeit ein wichtiger Teil im Leben des Familienmenschen Arigbabu. Denn seine Frau Kathrin und die beiden Kinder leben in Berlin-Wannsee, und er spielt für Maroussi Athen, morgen Gegner Alba Berlins in der Europaliga-Qualifikation (17 Uhr, O2 World).

Drei- bis viermal täglich telefoniere er mit seinen Leuten daheim, erzählt Arigbabu. "Den Kindern fällt die Trennung noch schwerer als mir". Bisher haben sie den Vater immer um sich gehabt, und der 2,06 Meter große und fast 120 Kilogramm schwere Center wollte jetzt mit 37 Jahren seine Karriere ja beendet haben und nach langem Nomadenleben in Berlin sesshaft geworden sein. Aber er ist noch so gut, dass sie ihm in Griechenland immer wieder neue Verträge geben. Insgesamt geht Arigbabu jetzt in seine siebente Saison im Land des Europameisters von 2005.

Diesmal war das so: Trainer Giorgios Bartzokas wechselte von Olympia Larisa zu Maroussi. Als er bei seinem neuen Verein unterschrieben hatte, rief er zwei Tage später Arigbabu an - er solle sich bereithalten. Die beiden kannten sich aus Larisa, wo der Deutsche drei Jahre lang unter Bartzokas eine hervorgehobene Rolle gespielt hatte. Nicht nur wegen seiner physischen Daten. Überall, wo er unter Vertrag stand, ob in der Bundesliga (Braunschweig, Ulm, Berlin, Köln, Weißenfels), Italien (Roseto, Livorno) oder Griechenland (Papagos, Panionios und Dafni Athen, Larisa), war er beliebt und als Musterprofi bekannt. Weil er vorbildlich arbeitete, nie maulte, jungen Spielern half. Ein sanfter Riese mit deutschen Tugenden wie Ordnungsliebe, Fleiß, Sparsamkeit.

Auch bei Alba haben sie Respekt. Arigbabu stand hier von 1996 bis 1998 und 2005/2006 unter Vertrag. "Mich freut es für Stephen, dass er in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten bei einer so guten Mannschaft einen Job bekommen hat", sagt Alba-Geschäftsführer Marco Baldi. Arigbabu entgegnet: "Es wäre gelogen, wenn ich nicht zugeben würde, dass das am Sonntag ein besonderes Spiel wird. Berlin ist meine Stadt. Alba ist mein Verein!"

Diese eine Saison gibt er sich noch, dann soll Schluss sein. Nicht nur wegen der Familie - 18 Profijahre sind eine lange Zeit. Obwohl es ihm überall gefallen hat und er Glück hatte: Bis auf eine Ellenbogenoperation 1997 blieb Arigbabu unverletzt. Basketball hat ihm zu einem gewissen Wohlstand verholfen, die Zukunft kann er einigermaßen entspannt angehen.

Auch im Privatleben hat der Basketball wichtige Weichen gestellt. Auf einer seiner vielen Reisen wurde Arigbabu auf dem Flughafen Köln-Bonn von einer Sicherheitsbeamtin sehr gründlich überprüft. Sie fand nichts Verbotenes, aber den Mann fürs Leben: Seitdem sind die Beiden ein Paar. Und die acht Monate Trennung, sagt Stephen Arigbabu, "die gehen schnell vorbei". Es gibt ja Skype. Und jetzt sogar mal eine Dienstreise nach Berlin.