Am späten Sonntagabend stand bei Familie Gimenez noch eine kleine Feier an. Sohn Joaquin wurde fünf Jahre alt und da Wolfsburg nur rund 230 Kilometer von Berlin entfernt ist, war Christian Gimenez rechtzeitig zurück, um auf Joaquin anzustoßen. Zuvor hatte die Familie in der Volkswagen-Arena gesessen und das Bundesliga-Debüt des 31-Jährigen miterlebt.
Beinahe hätte es einen weiteren Grund zum Feiern gegeben, doch ein Mann hatte etwas dagegen. Wolfsburgs Torwart Simon Jentzsch verhinderte mit einer starken Parade Gimenez' perfekten Einstand. "Ich hatte zwei gute Chancen, leider habe ich keine genutzt", haderte der Stürmer. So blieb es für Fußball-Bundesligist Hertha BSC zum Auftakt beim 0:0. Nicht verloren, aber auch nicht gewonnen. Und vor allem: Kein Tor erzielt.
Marko Pantelic durfte es 72 Minuten lang versuchen, Srdjan Lakic sogar 90 Minuten und Gimenez hatte 18 Minuten lang die Gelegenheit, das Premierentor der Saison 2006/07 zu erzielen. Keiner der drei hat eine Galavorstellung auf dem Platz gezeigt. Pantelic hatte "ein, zwei gute Aktionen" (Trainer Falko Götz), Lakic "hat viel geackert" und Gimenez attestierte der Trainer, dass "er schon angedeutet hat, warum wir ihn geholt haben".
Zählbares kam in Wolfsburg noch nicht raus, doch eine Erkenntnis hat auch die Nullnummer gebracht: Hertha hat wieder Alternativen im Sturm. Götz konnte es sich erlauben, Gimenez zunächst draußen zu lassen und Lakic eine Chance zu geben. Götz konnte - den sichtlich überraschten - Pantelic auswechseln und dafür mit Gimenez einen frischen Stürmer bringen. Und mit Solomon Okoronkwo war ein weiterer Angreifer im Kader. "Ich habe jetzt mehrere gute Optionen", sagte Götz. Schon Sonnabend gegen Hannover 96 könnte Gimenez in der Startelf stehen und dafür Lakic auf der Bank Platz nehmen.
Alternativen sind jetzt da, vorbei die Zeiten, als der Trainer beim Blick auf die Ersatzbank vergeblich nach Offensivkräften Ausschau hielt und im Falle eines Rückstands mehrmals nur noch die kopfballstarken Innenverteidiger Alexander Madlung und Christopher Samba helfen konnten. Allerdings müssen diejenigen, die fürs Tore erzielen zuständig sind, nun ihre Pflicht erledigen. Beim ersten Spiel war deutlich zu sehen, dass bei den Zugängen die Feinabstimmung mit den Mitspielern und teilweise auch untereinander fehlte. Kurz nach seiner Einwechslung wäre Gimenez bei einem Angriff in der gegnerischen Hälfte fast mit Lakic kollidiert.
Pantelic hat seine Qualitäten in der vergangenen Saison mit elf Toren in 28 Bundesliga-Spielen nachgewiesen, die beiden anderen geben sich betont gelassen. "Ich werde mit der Zeit noch besser", sagte Gimenez. "Ich muss vor dem Tor cooler werden, aber das kommt schon", sagte Lakic. Diese Coolness fehlte zumindest in Wolfsburg. Von Pantelic angespielt, stand der Kroate in der ersten Halbzeit frei vor Jentzsch, doch der Ball rutschte ihm über den Spann. "Das Ding hätte er machen müssen", sagte Manager Dieter Hoeneß, einst erfolgreicher Bundesliga-Stürmer (127 Tore in 288 Spielen). Lakic teilte diese Ansicht, versuchte aber gleich, auch das Positive darin zu sehen: "Manchmal vergibt man solche Chancen und macht dann beim nächsten Mal ein Tor, wenn eigentlich gar keine Chance da ist."
In vier Tagen kommt Hannover 96 ins Olympiastadion. Möglicherweise kann Christian Gimenez dann wieder mit einem Glas Sekt anstoßen: auf sein erstes Bundesliga-Tor.

