Die ewige Rückkehrerin

Etliche Male schon hat Britta von Livonius mit der Hockey-Nationalmannschaft Schluß gemacht. Ganz still und heimlich. Ohne großes Aufhebens. Rechtfertigen mußte sie sich dafür vor niemanden. "Das war immer eine persönliche Entscheidung", sagt sie. Weil von Livonius eine war, die ohnehin immer nur am Rande mitlief, denkt sie, hätten ihre Auszeiten die Trainer nie wirklich gekratzt.

Warum auch. Vor großen Turnieren wurde die gebürtige Hamburgerin regelmäßig aussortiert. Irgendwann später stand sie bei Nachfrage wieder zur Verfügung. Bis zum nächsten wichtigen Wettkampf. Erst 2002, sechs Jahre nach ihrem Debüt rutschte sie endlich, wenn auch knapp, in den Kader für die Weltmeisterschaft. Und wurde Siebente. Bei der EM im Jahr darauf war sie nochmals mit dabei. Knapp, versteht sich. Im Olympia-Jahr schließlich war sie wieder draußen. Als Letzte wurde sie vom Bundestrainer aussortiert. Den Athener Goldrausch ihrer Kolleginnen erlebte von Livonius vom Fernseher aus und litt das erste Mal darunter, nicht nominiert worden zu sein. Anders als so oft davor, machte sie nun jedoch erst recht weiter, war beim nächsten Lehrgang ganz selbstverständlich wieder mit dabei. Auf 94 Länderspiele beläuft sich inzwischen die Bilanz der Abwehrstrategin vom Berliner HC. In einer Woche sollen es möglichst 99 und ihr erster großer Titel sein.

Für die Sonntag in Dublin beginnende 7. Europameisterschaft im Feldhockey der Frauen wurde Britta von Livonius zum ersten Mal in ihrer inzwischen neunjährigen Nationalmannschaftskarriere als Stammspielerin nominiert. Ihre Vereinskolleginnen Badri Latif, Natascha Keller und Svenja Schuermann sind ebenfalls dabei.

Mit 29 Jahren ist die Wahlberlinerin hinter Rekordnationalspielerin Nadine Ernsting-Krienke (31) die Zweitälteste im Aufgebot von Bundestrainer Markus Weise. "Gegen Nadine bin ich wohl eher eine Spätlese", sagt von Livonius. Jahrelang galt die Psychologie-Studentin als zu lieb und zu langsam für das international immer athletischer werdende Spiel. Heute liegt sie mit ihren Sprintwerten im Teamvergleich im oberen Drittel. "Ich bin auf meine alten Tage wirklich schneller geworden", sagt von Livonius und sieht darin das Resultat zielstrebiger Arbeit mit dem ehemaligen Weltklasse-Geher und heutigem Trainer am Olympiastützpunkt, Axel Noack. Bundestrainer Weise schätzt an der Wahlberlinerin vor allem ihre Konstanz: "Britta hat keine totalen Ausrutscher. Weder nach oben, noch nach unten." Damit steht die Blondine allein im Team. Konstanz war das, was der Mannschaft in den zurückliegenden Jahren und selbst bei Olympia fehlte. Jedem Ausrutscher nach oben folgte regelmäßig der nach unten. In Athen war es glücklicher Weise anders herum.

Bei der EM peilt Weise zunächst den Gruppensieg an: "Um nicht gleich im Halbfinale auf Holland zu treffen." Den Anfang macht man Sonntag gegen Schottland, dem vermeintlich schwächsten Gruppengegner. Wie Weise glaubt auch von Livonius, daß sich der Erzrivale Niederlande locker durch seine Gruppe (Irland, Frankreich, Spanien) spielen und dann auf die Olympia-Revanche brennen wird. Unabhängig vom Ausgang ist für Britta von Livonius dann erst einmal wieder Schluß. Bis zum bestandenen Examen.