Am 15. März 1995 schrieb Alba Berlin Basketball-Geschichte: Der Verein gewann durch einen 85:79-Rückspielsieg im Finale über Stefanel Mailand als erstes deutsches Team einen europäischen Pokal-Wettbewerb, den Korac-Cup. Über 10 000 Zuschauer in der Deutschlandhalle feierten diesen Erfolg, der wie ein Befreiungsschlag für den amitionierten Klub wirkte. Danach wurde Berlin mit sieben Meistertiteln und vier Pokalsiegen zur deutschen Basketball-Metropole. Herausragender Spieler im zweiten Korac-Cup-Finale war Teoman Alibegovic, der 34 Punkte erzielte. Die Morgenpost sprach mit dem Slowenen, der heute als Manager und Cheftrainer den italienischen Erstligisten Snaidero Udine leitet, über seine Erinnerungen, seine jetzige Arbeit und darüber, was Alba Berlin ihm heute noch bedeutet.

Berliner Morgenpost: Herr Alibegovic, Sie ahnen vermutlich, warum wir Sie gerade jetzt interviewen?

Teoman Alibegovic: Weil es zehn Jahre her ist, daß wir den Korac-Cup gewonnen haben?

Genau. Welche Erinnerungen haben Sie an jenen 15. März?

Sehr starke. Ich bin ein Familienmensch, und natürlich war meine ganze Familie da: Vater, Mutter, Großmutter, Bruder, Schwester - nur ausgerechnet meine Frau konnte nicht kommen, weil die Geburt unseres zweiten Sohnes Amar bevorstand. Dann eine Sache, die vielleicht die Deutschen kaum verstehen, weil sie mit dem Namen Radivoj Korac nicht viel anfangen können: Für uns Jugoslawen ist er eine Legende, eine große Persönlichkeit, nicht nur, weil er ein großer Basketball-Spieler war. Also ist es für jeden Jugoslawen etwas Spezielles, diesen Cup gewonnen zu haben. Denken Sie, was das für eine Zeit für uns Jugoslawen war, unsere Heimat war zerrissen. Und dazu kam, daß die Situation, als ich bei Alba spielte, eine besondere war.

Was meinen Sie?

Ich erinnere mich noch genau an mein erstes Spiel für Alba. Das war 1993, wir mußten gegen TuS Bramsche antreten, da waren 400 Zuschauer in der Sömmeringhalle. Ehrlich: Ich wollte mich erschießen. Ich hatte zuvor in Bologna vor 6000 bis 8000 Zuschauern gespielt - ich dachte, ich wäre am absoluten Tiefpunkt meiner Karriere angelangt. Aber dann haben wir Schritt für Schritt die Sömmeringhalle voll bekommen. Und schließlich haben wir nicht nur den Korac-Cup gewonnen. Etwas viel Größeres. Beim Finale waren über 10 000 Menschen. Die Atmosphäre war unglaublich. Ich hatte das Gefühl zu fliegen. In diesem Moment hatte Basketball in Deutschland gewonnen. Und ich war ein Teil von dieser großartigen Mannschaft.

Was haben Sie außerdem von Berlin in Erinnerung behalten?

Es gibt in Europa drei Städte, wo ich mich zu Hause fühle: Bologna, Udine und Berlin. Ich bin oft für ein paar Tage in Berlin, besuche Freunde, sehe mir die Stadt an, was es dort Neues gibt in Prenzlauer Berg und am Alexanderplatz. Ich bleibe auf dem Laufenden. Alba ist für mich eine große Liebe, eine, die man nie vergißt. Ich stehe in Kontakt mit Vizepräsident Marco Baldi, Svetislav Pesic, Emir Mutapcic, Henrik Rödl, Sasa Obradovic, die damals alle dabei waren und es zum Teil noch immer sind. Deutschland war eine wichtige Etappe meines Lebens. Ich würde sagen, ich bin dort erwachsen geworden, eine andere Persönlichkeit.

Nach drei Jahren haben Sie Berlin Richtung Ülker Istanbul verlassen. Die richtige Entscheidung?

Die schlimmste Entscheidung meines Lebens! Ich bin ein Jahr zu früh gegangen. In dem Moment war ich auf meiner Position der Beste in Europa. Ich brauchte nur ein Jahr länger, dann wäre meine Karriere so weitergegangen: FC Barcelona, Real Madrid, Panathinaikos Athen. Aber ich habe so entschieden, und mit seinen Entscheidungen muß man leben.

Sie waren nur drei Jahre in Deutschland und sprechen immer noch so gut deutsch. Woran liegt das?

Ich sehe oft deutsches Fernsehen und lese auch Zeitungen. Ich möchte die Sprache nicht verlieren. Und wahrscheinlich kommt die Zeit, wo ich mein Buch in Berlin zu Ende schreibe. Da fehlen noch ein paar Kapitel.

Wie ist das zu verstehen? Kommen Sie zurück? Als Trainer vielleicht?

Wahrscheinlich, eines Tages. Als Spieler kann ich nicht mehr (lacht), ich bin zu alt.

Spieler, Trainer, Manager, sogar Präsident: Sie waren schließlich schon so einiges in Ihrer Karriere!

Ich denke nur über den Trainerjob nach. Zuerst war bei Alba mein Freund Svetislav Pesic Trainer, danach mein Freund Emir Mutapcic, und jetzt Henrik Rödl, auch er ist mein Freund. Alba bringt immer Leute in Positionen, die zuvor Alba etwas gegeben haben.

Waren Sie mit dem Verein in Kontakt, als Alba beschloß, sich von Trainer Mutapcic zu trennen?

Das war kein Thema. Ich habe Muki angerufen, um ihm zu sagen, daß es mir leid tut. Mit Marco Baldi habe ich nicht gesprochen. Wenn, dann hätte ich mich wie ein Freund nur danach erkundigt, was passieren soll. Ich bin sehr froh, daß Henrik es macht, das ist die richtige Entscheidung von Alba gewesen. Warum? Ganz einfach: Weil jemand leben muß, was er macht.