Eishockey

Zum Abschied den Meistertitel

Die Frage, wer heute gewinnt, wenn die OSC Eisladies auf Ottobrunn treffen, stellt sich nicht (19.30 Uhr, Wellblechpalast). Es geht nur darum, wie hoch die Berlinerinnen gegen den Tabellenletzten am letzten Spieltag der Eishockey-Bundesliga siegen. Am besten sollte der Erfolg sehr hoch ausfallen.

- Die Eisladies wollen Meister werden, aber sie haben nur einen Vorsprung von drei Toren vor dem ESC Planegg. Das ist nicht viel.

Claudia Grundmann hofft, dass es reicht. Sie will Erster werden, ein letztes Mal. In der Bundesliga wird sie nicht mehr auflaufen, die 32-Jährige beendet ihre Karriere. Sie hat einfach genug von dem Sport, den sie und der sie über Jahre geprägt hat. "Ich möchte mich nicht mehr mit 18-Jährigen um die blöde Hartgummischeibe streiten", sagt sie.

Karriereende ohne Wehmut

Claudia Grundmann wollte das schon eine ganze Weile nicht mehr. Aber sie ist einfach nicht losgekommen vom Eishockey. Nicht, weil sie so sehr an dem Sport hängt, sondern weil sie die Erwartungen der anderen nicht enttäuschen wollte. "Mein Umfeld hat mich immer in diesem Sport gesehen, deshalb habe ich mich da mehr reinzwängen lassen", erzählt die Stürmerin. Sie selbst betrachtete ihre Zukunft nie im Zusammenhang mit Eishockey.

Viel Wehmut ist bei ihr deshalb nicht im Spiel. Nach Olympia 2006 wollte sie schon aufhören, "aber wegen der Nationalmannschaft habe ich mich immer breitschlagen lassen". Die Leidenschaft kühlte derweil stetig ab. Grundmann wollte verändern, etwas bewegen. "Aber ich bin an meine Grenzen gestoßen", sagt sie. Mit der Nationalmannschaft ging es zuletzt bergab. Abstieg bei der WM, die Olympia-Qualifikation verpasst: für Grundmann alles vorhersehbar. Aber ihre Vorschläge, wie man die Dinge vielleicht besser angehen könnte, wollte niemand hören. Der Frust darüber ist noch immer nicht ganz verarbeitet.

Oft, findet sie, wird mit den Frauen in diesem Männersport falsch umgegangen. "Bei Frauen erreicht man mehr durch positive Verstärkung", sagt Grundmann. Aber meist wird draufgehauen, gnadenlos analysiert. "Dabei wissen die Mädels, was sie falsch machen. Wichtiger wäre es, ihnen Vertrauen zu geben", meint sie. Beim OSC funktioniert das unter Trainer René Bielke ganz gut. "Er musste sich daran gewöhnen, dass Frauen immer diskutieren und alles genau wissen wollen", erzählt Grundmann. Inzwischen sind die Ladies ein verschworener Haufen. Die Rückrunde in der Bundesliga zeigt das. Mit 30 Toren lag der OSC schon hinter Planegg und war nicht gerade für Schützenfeste bekannt. Jetzt treffen die Damen nach Belieben und konnten den Kontrahenten noch abfangen.

Der Sport war eine Sackgasse

Bis jetzt zumindest. "Es wäre für mich ein geiler Abschluss", sagt Grundmann. 14 Jahre ist sie im Verein und hat in dieser Zeit bewegende Momente durchlebt. Als sie vor einigen Jahren nach Füssen zur Bundeswehr ging, spendete die Mannschaft Blut und versetzte Sachen auf dem Trödelmarkt. So wurden die Fahrtkosten für Grundmann aufgebracht, damit sie nicht den Verein wechseln musste. Es gab viele schöne Dinge, so wie die fünf WM-Teilnahmen oder Platz fünf und sechs bei Olympia.

Zuletzt aber war der Sport mehr wie eine Sackgasse. Den Ausweg fand sie in einem neuen Studium. Die diplomierte Sportwissenschaftlerin wird nun Architektin. "Das ist ein neues Ziel, für mich war das wie ein Licht am Ende des Tunnels", sagt Grundmann, die sich zudem in Finanzberatung und Baufinanzierung ausbilden lässt. Für Sport ist da keine Zeit mehr, also verabschiedet sie sich. Am liebsten würde sie es mit ihrem dritten Meistertitel tun.