Matej Mamic ist noch nicht einmal zwei Wochen beim siebenmaligen deutschen Basketball-Meister Alba Berlin. Doch über Mithat Demirel, mit dem er sich während des zehntägigen Trainingslagers in Bad Saarow das Zimmer teilte, hat sich der 29jährige Kroate schnell ein ebenso knappes wie präzises Urteil gebildet: "Mithat ist ein super Junge."

Dieser Meinung schlossen sich auch Cheftrainer Emir Mutapcic, seine Assistenten Burkhardt Prigge und Henrik Rödl sowie der neue Team-Manager Henning Harnisch an. Sie bestimmten den 26jährigen vor dem ersten Testspiel mit der kompletten Mannschaft am Dienstagabend gegen den Bundesliga-Konkurrenten BS Energy Braunschweig zum neuen Kapitän der Berliner. Sein Stellvertreter ist Center Jovo Stanojevic, den Mutapcic im dritten Jahr bei den Berlinern auch außerhalb des Parketts stärker in die Verantwortung nehmen will.

Die Entscheidung war notwendig geworden, weil der bisherige Spielführer Teoman Öztürk (36) Alba im Sommer verließ und seine aktive Karriere beim Regionalligisten Lok Bernau ausklingen läßt.

Präsident Dieter Hauert begrüßte diese Wahl ausdrücklich: "Ich glaube, daß ihm dieses Amt sehr helfen wird, denn das baut ihn zusätzlich auf. Diesen Schub kann er auch gut gebrauchen, nach der unglücklich verlaufenen letzten Saison war er psychisch ziemlich down."

Denn der "Spieler des Jahres 2003", der das Pokalfinale gegen Köln mit einem spektakulären Korb in letzter Sekunde entschied und von dem die Basketball-Bundesliga große Werbefiguren produzierte ("Wer ihn mithat, ist gefährlich"), war zuletzt in ein tiefes Loch gefallen. Aufgrund seiner ständigen Verletzungsprobleme mit Knie und Rücken kam er in der abgelaufenen Saison nie richtig in Tritt und pausierte entweder oder enttäuschte, weil er die für seine quirlige Spielweise unbedingt notwendige hundertprozentige Fitneß nicht hatte. Alba gewann keinen Titel, er fehlte bei den ersten Auftritten der deutschen Nationalmannschaft unter dem neuen Bundestrainer Dirk Bauermann - für Demirel war es insgesamt ein verlorenes Jahr.

Beim 97:88 (48:40)-Erfolg gegen die Niedersachsen vor 400 Zuschauern in der Scharmützelsee-Halle war davon nichts mehr zu beobachten. Wie in seinen besten Tagen wirbelte der 1,80 m große Spielmacher über das Parkett. Von Coach Mutapcic zusammen mit dem neuen US-Playmaker Gerald Brown in der Startformation aufgeboten, wirkte er wie befreit und nicht mehr so gehemmt wie in der vergangenen Saison. Die Blockade im Kopf, die ihm zuletzt in einigen Situationen anzumerken war, ist endlich weg. Nach sechs Minuten erzielte er die ersten Punkte als Kapitän per Korbleger und anschließendem Bonus-Freiwurf, es folgten zwar nur drei weitere Zähler, aber vor allem zahlreiche Situationen, in denen Demirel durch überraschende Pässe das Alba-Spiel schnell machte und so Fastbreaks und leichte Punkte einleitete. Diese Spielweise, früher eine von Albas größten Stärken, war in der vergangenen Saison kaum zu sehen.

Demirel sieht seinen wiedergefundenen Spielwitz auch als Folge des intensiven Aufbauprogramms im Sommer: "Ich habe nach Saisonende fünf Wochen Rehabilitationstraining gemacht, war anschließend nur zehn Tage im Urlaub und habe danach die Reha fortgesetzt." Der Erfolg ist offensichtlich.

Seine Bestimmung zum neuen Teamkapitän hatte er nicht unbedingt erwartet: "Wir haben in den vergangenen Wochen so viel trainiert, daß ich gar keine Zeit hatte, mir über dieses Thema großartig Gedanken zu machen." Daß ihm dieses Amt nun übertragen wurde, bezeichnet er als "große Ehre".

Er werde sein Verhalten allerdings nicht grundlegend ändern, so Demirel, der früher von sich selbst sagte, für die gute Stimmung in der Mannschaft verantwortlich zu sein: "Ich bleibe so wie ich bin." Daß er, wie in der Partie gegen Braunschweig mehrmals zu sehen, seine Mitspieler zu einer spontanen, kurzen Teambesprechung auf dem Feld versammelt, sei nichts Besonderes: "Das mache ich als Aufbauspieler sowieso." Und auch, daß er sich als ein Spieler, der in Berlin geboren ist und schon sehr lange bei Alba unter Vertrag steht, um die Integration der sechs Neuen kümmert, ist für ihn selbstverständlich: "Dieses Bewußtsein habe ich sowieso. Dafür hätte ich das Amt nicht gebraucht."

Mutapcic begründete die Entscheidung trotzdem genau mit dieser Stärke Demirels: "In Zeiten des Generationswechsels, wie er bei uns gerade stattfindet, hat der Kapitän eine ganz wichtige Funktion. Mithat ist ein Spieler aus unserem Programm mit dem TuS Lichterfelde und er hat einen sehr guten Charakter für diese Rolle." Sein Assistent Burkhardt Prigge ergänzt: "Für mich war das eine logische Entscheidung, er hat sich das verdient. Mithat ist ein Integrationsfigur bei uns." Und ein Publikumsliebling (vor allem bei den weiblichen Fans) noch dazu. Das bestätigt der neue Team-Manager Harnisch: "Ich habe Mithat als Spieler kennen- und schätzengelernt. Und als Zuschauer bin ich ein absoluter Fan seiner Spielweise. Ich freue mich sehr über diese Entscheidung. Für mich ist er mehr als die richtige Wahl." Etwas anderes hätte Matej Mamic sicher auch nicht gesagt.