Kölmel rettet den 1. FC Union

| Lesedauer: 4 Minuten
Michael Färber und Horst Bläsig

Viereinhalb Stunden wurde geredet, geehrt und abgestimmt. Die wirklich wichtige Nachricht gab es am vergangenen Donnerstag jedoch erst kurz vor Mitternacht, nach Ende der Mitgliederversammlung des 1. FC Union. "Ich werde Union nicht im Stich lassen", sagte Michael Kölmel nach der Marathon-Sitzung im FEZ Wuhlheide, "aber ich hoffe, dass die am Ende benötigte Summe nicht so groß sein wird."

Im Klartext: Der Filmhändler will die Lücke schließen, sollte der Zweitliga-Absteiger die vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) geforderte Liquiditätsreserve von 1,461 Mio. Euro nicht zusammenbekommen. Bis gestern brachte die Lizenzrettungskampagne "Bluten für Union" über 515 000 Euro ein. Fehlt fast noch eine Million. Und wie schon 1997, als Kölmel mit seinem Unternehmen Kinowelt den Köpenicker Fußball-Klub vor dem Untergang bewahrte und insgesamt neun Millionen Euro an Darlehen investierte, wird der 50-Jährige wohl erneut zum Union-Retter.

Dass der gebürtige Karlsruher im Notfall einspringen wird, gilt als sicher. Bereits kurz nach der Mitgliederversammlung in der Nacht zum Freitag setzte sich Kölmel noch mit dem Präsidium und dem neu gewählten Aufsichtsrat unter der Leitung von Antonio Hurtado zusammen, um über eventuelle Modalitäten zu sprechen. "Der Verein liegt mir besonders am Herzen, weil ich hier so freundlich behandelt werde", sagte Kölmel, der während der Versammlung mit tosendem Applaus begrüßt wurde. Zudem habe er "jetzt auch wieder mehr Zeit, um mich um Union zu kümmern".

Dazu passt, dass im neuen Aufsichtsrat, dem neben Hurtado auch Treptow-Köpenicks Bezirksbürgermeister Klaus Ulbricht (SPD), Abgeordnetenhaus-Mitglied Fritz Niedergesäß (CDU), Bauunternehmer Dirk Zingler (Vorsitzender des Union-Wirtschaftsrates), Ex-Trainer Heinz Werner und Sponsor Jochen Lesching angehören, noch drei Plätze frei sind. Für einen Investor, einen Vertreter der noch zu gründenden Fan- und Mitgliederabteilung - und für Kölmel oder dessen Vertreter.

So nahm der Filmhändler erfreut zur Kenntnis, dass es während der Versammlung im FEZ "angenehm friedlich zuging". Wer auf eine Redeschlacht zwischen Ex-Präsident Heiner Bertram und dem jetzigen Klubchef Jürgen Schlebrowski wartete, wurde enttäuscht. "Ich habe im Vorfeld das Gefühl bekommen, dass ich nicht mehr benötigt werde", erklärte Bertram seine Zurückhaltung. Doch der Eindruck eines Stillhalteabkommens blieb. Anders ist die von der jetzigen Klubführung vorgeschlagene und von den Mitgliedern vollzogene Entlastung des alten Präsidiums, das die Saison 2002/03 mit einem Minus von 3,212 Mio. Euro (2,517 Mio. Euro mehr als geplant) abschloss, wohl kaum nachzuvollziehen.

Überhaupt war die gesamte Veranstaltung darauf ausgelegt, für Ruhe unter den Mitgliedern zu sorgen. So verlas Hurtado selbst den Rechenschaftsbericht des höchsten Vereinsgremiums, der eigentlich Verantwortliche Uwe Rade, von dem der Spanier den Aufsichtsratsvorsitz erst am 28. April übernommen hatte, war gar nicht anwesend. Das neu vorgestellte Konzept, mit dem der Regionalligist bis 2010 sogar bis in die Bundesliga will, erfüllte die Erwartungen nicht. Vielmehr wurde gut eineinhalb Stunden über eine zu bildende Vereinsstruktur doziert, die in einem Fußball-Klub eigentlich üblich ist. Innovative Ideen, wie Union wieder den Sprung in den Profifußball schaffen kann, gab es nicht.

Dafür wurde die Wahl des Aufsichtsrates so lange hinausgezögert, dass es den noch anwesenden 674 (von ursprünglich 846) stimmberechtigten Mitgliedern nur noch darum ging, die Veranstaltung so schnell wie möglich zu beenden. So stieß die Blockwahl des Aufsichtsrats-Sextetts nur zu Versammlungsbeginn auf Unverständnis. Und auch die Wiederwahl der beiden Politiker Fritz Niedergesäß und Klaus Ulbricht, die auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 22. November 2003 beinahe noch mit Schimpf und Schande verjagt worden wären, störte am Ende kaum jemanden.