Wilfried Sauerland hatte lange genug gewartet. Der neben Klaus-Peter Kohl zweite große Box-Promoter in Deutschland sorgt in der Szene nun für Aufregung, weil er seine Veranstaltungen künftig aus dem Verantwortungsbereich des Bund Deutscher Berufsboxer (BDB) lösen und unter österreichischer Aufsicht boxen lassen möchte.

Hintergrund der Entscheidung, die gestern vollzogen wurde, sind die Querelen um den ehemaligen BDB-Vizepräsidenten Hans Högner, dem rassistische und antisemitische Äußerungen gegenüber ausländischen Boxern beziehungsweise deren Betreuern vorgeworfen worden waren. Die Betroffenen haben jedoch nie juristische Schritte eingeleitet, die zu weiteren Untersuchungen geführt hätten.

Dessen ungeachtet gefällt Wilfried Sauerland die Gesamtlage nicht. "Hans Högner ist zwar als Vizepräsident des BDB seit Mai 2003 nicht mehr im Amt, dennoch hat für meinen Geschmack der Verband Fingerspitzengefühl vermissen lassen und sich nicht deutlich distanziert. Ich habe nie definitiv seinen Rauswurf verlangt. Ich habe ihn aber auch nicht mehr bei mir amtieren lassen. Für den Box-Fan wird sich durch die Vorgehensweise nichts ändern. Für uns ist aber der Lizenzwechsel von großer Bedeutung, weil wir über diesen Weg auf die Missstände im Bund Deutscher Berufsboxer aufmerksam machen können ", sagt der Chef der Weltmeister Sven Ottke (WBA und IBF) und Markus Beyer (WBC), deren Kämpfe die ARD überträgt.

Der Mangel an Distanz zeigt sich für Wilfried Sauerland in der Tatsache, dass Högner weiterhin Vizepräsident der Europäischen Box Union (EBU) und somit auch bei Kämpfen der Hamburger Universum Box-Promotion, Europas größtem Profibox-Stall, als Delegierter amtiert. Beim Kampf von Vitali Klitschko gegen Kirk Johnson am 6. Dezember vertrat er den BDB in New York.

Hans Högner kommentiert alle Vorwürfe und die daraus resultierende Entwicklung stereotyp: "Ich sage dazu nichts mehr."

Diesen Grundsatz hat er vermutlich nicht immer gehabt. Im Raume stehen Äußerungen des Mannes aus Hessen gegenüber dem algerischen Schwergewichtler Ramdane Kaouane. "Den kenne ich schon seit Jahren, der hätte in der Trainingshalle nicht nur faul herumliegen, sondern arbeiten gehen sollen. Oder zurück nach Algerien." Darüber hinaus soll Högner die Berufsauffassung des Sportlers mit der einer Prostituierten verglichen haben. Angeblich, so sagt es jedenfalls BDB-Präsident Dr. Bodo Eckmann, der das ganze Gespräch gehört hat, seien die Zitate aus dem Zusammenhang gerissen worden.

Noch schwerer wiegt der Vorwurf, Högner habe sich gegenüber dem holländischen Veranstalter-Ehepaar Henk und Edda Ruhling die Aussage "alle Juden raus aus Deutschland", geleistet.

"Wir haben Dr. Eckmann unsere Position mehrfach dargelegt. Konsequenzen sind ausgeblieben", sagt Hagen Doering, Technischer Leiter bei Sauerland-Event und für die Durchführung der Veranstaltungen verantwortlich. "Wir leben von unserem guten Ruf, und es gibt Leute die diesen Ruf schädigen." Der ehemalige Amateurboxer und Büroleiter von Ex-Arbeitsminister Norbert Blüm verhandelt zurzeit mit dem österreichischen Berufsbox-Verband (FVA) um die Lizenzierung des für den 28. Februar in Dresden geplanten nächsten Sauerland-Kampftages. Die Trennung vom BDB umfasst lediglich die Veranstaltungen. WM- und EM-Kämpfe stehen unter Aufsicht der internationalen Boxverbände. Für die Rahmenkämpfe soll die österreichische Lizenz genutzt werden. Kampfrichter und Ringärzte werden vom FVA gestellt. Wilfried Sauerland bleibt persönliches Verbands-Mitglied. Dem BDB drohen Umsatzeinbußen im sechsstelligen Bereich durch den Wegfall der Sanktionierungsgebühren.

Für Dr. Bodo Eckmann, der sich im Mai dem Verbandstag stellen muss, wird dies aber kein gravierender, den Fortbestand des BDB gefährdender Umstand sein. "Es kann sich auf 30 Prozent unseres Umsatzes summieren. Das rüttelt nicht an unseren Grundfesten. Wir sind wirtschaftlich gesund. Es kommen ja immer neue Veranstalter zu uns", so der Hamburger. Auch durch die angekündigte Gründung eines neuen Verbandes, der German Boxing Association, fürchtet er keine negativen Konsequenzen: "Dieser Verband wird nie Konkurrenz für uns werden." Im Boxen gibt es zuweilen auch überraschende Knockouts.