Ein arbeitsloses Riesentalent

Die Karten waren schon bestellt. Den heutigen 15. Spieltag der Basketball-Bundesliga hatte sich seine Familie lange vorgemerkt. Mutter, Onkel, Tante - alle wollten in der Max-Schmeling-Halle sein, um sich die Partie des deutschen Meisters Alba Berlin gegen Brandt Hagen anzusehen. Doch es kam nicht zur freudigen Rückkehr von Jimmy James in seine Heimatstadt. Es kam ganz anders. Hagen ist pleite, der 21-Jährige arbeitslos. "Ich wäre hoch motiviert gewesen", gibt er zu, "man will es in so einem Spiel schon allen zeigen." Stattdessen trainiert er jetzt beim Mitteldeutschen BC in Weißenfels mit, dem Klub seines alten Kumpels Misan Nikagbatse, um in Form zu bleiben. Und hofft auf einen Job. "Ich werde auf jeden Fall diese Saison noch spielen", glaubt er, "die Bundesliga ist mein Ziel."

Das Ziel war schon erreicht. James hatte für Alba in der vergangenen Saison nur wenige Kurzeinsätze absolviert, war aber beim Kooperationspartner TuS Lichterfelde zu einem der stärksten deutschen Spieler in der 2. Bundesliga gereift. "Ich wollte mehr spielen und nicht mehr warten", begründet James seinen Wechsel nach Hagen, wo er im Sommer seinen ersten richtigen Profivertrag unterschrieb. "Ein bisschen mulmig", sei ihm gewesen, als der Traditionsverein erst so spät die Lizenz erhielt. "Aber ich dachte, ich könne dem Klub vertrauen und habe mir keine Sorgen gemacht." Zumal der Saisonstart traumhaft verlief - für ihn und für die Mannschaft. Drei Siege zum Auftakt, James spielte stark, machte zwölf Punkte gegen Quakenbrück und 13 gegen Trier, finanziell ging es ihm prächtig. Trainer Armin Andres vertraute dem jungen Mann, gab ihm viel Spielzeit - alles schien perfekt.

Bis das November-Gehalt ausblieb. Da lernte Jimmy James die Schattenseiten des Profidaseins kennen. "Die Älteren sagten: Such dir lieber einen neuen Job - ich dachte, das wäre Spaß", erzählt er freimütig, "ich bin ja völlig unerfahren in so etwas." Als die Ersten wirklich gingen, Chuck Evans (zu Alba) und Adrian Autry (nach Russland), gewann James dem sogar noch positive Seiten ab, denn dadurch erhöhte sich ja seine Einsatzzeit. Doch das Ende war nicht mehr aufzuhalten. Nach dem 72:64 gegen Würzburg am 20. Dezember (12 Punkte James) seien noch alle mit einem guten Gefühl ins Weihnachtsfest gegangen. Neun Tage später wurde dem Team mitgeteilt, dass es aus sei. "Das war noch mal ein Schock", sagt James, "ich hatte die Hoffnung nie aufgegeben."

Nun sucht er gemeinsam mit seinem Agenten Sven Meyer einen neuen Verein. Früher kümmerte sich Dirk Greiser um vertragliche Dinge. Der einstige Kapitän von Fußball-Bundesligist Hertha BSC ist der Onkel von Jimmy James und betreibt eine Anwaltskanzlei. In der Basketball-Bundesliga hat der ehemalige Alba-Center Meyer aber die besseren Kontakte. Ob sie reichen, um einen aus sportlicher Sicht ähnlich gut passenden Arbeitgeber wie Brandt Hagen zu finden, wird sich bald erweisen. Derzeit laufen Gespräche, sagt James.

An eine Rückkehr zum TuS Lichterfelde, "wo ich mit 13 richtig angefangen habe, Basketball zu spielen" und der seine Hilfe als derzeitiger Tabellenletzter gut gebrauchen könnte, denkt Jimmy James nicht. "Ich habe in der Bundesliga gespielt und will daran anknüpfen." Nicht mal zu einem Besuch von Albas Europaliga-Heimspiel am Mittwoch gegen Villeurbanne hat er sich entschließen können. Allerdings aus einem ganz anderen Grund: "Es bringt nichts, sich da reinzusteigern, am liebsten eingreifen zu wollen", sagt Jimmy James, "es ist schon schlimm genug, keinen Verein zu haben."