Ernsthaftigkeit ist nichts, womit man Deron Quint in Verbindung bringen würde. Dem Verteidiger des EHC Eisbären geht immer irgendetwas Komisches durch den Kopf. Seine seltsamen Gedanken für sich zu behalten, das schafft er nicht lange. Dann erzählt Quint plötzlich eigenartige Dinge, das hat ihn zu einer Art Spaßbeauftragten beim Tabellenführer der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gemacht.

Hinter einer solchen Fassade einen ernsthaften Menschen zu vermuten, fällt ziemlich schwer. Aber das Leben des 32-jährigen US-Amerikaners bestand nicht immer nur aus lustigen Tagen. Quint war einst abgekommen vom richtigen Weg, er hatte sich dem Alkohol hingegeben.

Darüber zu reden, macht ihm nichts aus. "Ich muss jeden Tag damit umgehen, das will ich nicht schüchtern tun, sondern die Leute wissen lassen, dass Sportler oder andere Stars Probleme haben wie jeder andere auch", sagt der Top-Verteidiger der DEL. Er will anderen Leuten Mut geben, sich ihren Problemen zu stellen, seine Offenheit und seine Erfahrungen sollen anderen Menschen helfen.

Zu sich selbst war Deron Quint lange nicht ehrlich. "Ich habe die Alkoholsucht damals nicht als Problem betrachtet", sagt er. Mit 19 Jahren kam er 1995 in der nordamerikanischen Profiliga NHL zu den Jets nach Winnipeg. Anders als in den USA, wo Alkohol erst mit 21 konsumiert werden darf, ist er in Kanada schon mit 18 zugänglich. Dazu sind Eishockey-Spieler dort die größten Stars überhaupt. "Jeder kennt dich, alle wollen etwas mit dir trinken, wenn du irgendwo gesehen wirst", erinnert sich der Abwehrspieler. Das war überwältigend, mit nicht mal 20 Jahren hatte er das Gefühl, die Welt würde ihm zu Füßen liegen.

Es hätte immer so weiter gehen können. Quint hat nicht einmal versucht, seine Schwäche für den Alkohol zu verheimlichen. Weil ihm das Empfinden dafür fehlte, im Rausch des Glücks die Kontrolle verloren zu haben. "Ich habe keine Konsequenzen gesehen", sagt er. Er ging nicht betrunken zum Training, die Leistung in den Spielen stimmte; das war den meisten Klubs wichtiger als sein Privatleben. Wenn ihn mal jemand auf seine Sauferei angesprochen hat, nahm er es nicht ernst. "So ist es in dem Alter. Du merkst gar nicht, was da vor sich geht."

Lou Lamoriello hat es gemerkt. Als General Manager der Devils holte er Deron Quint im Frühjahr 2000 nach New Jersey. Nur vier Spiele durfte der Verteidiger bestreiten, bevor Lamoriello ihn wieder vor die Tür setzte.

"Als er mich auf den Alkohol angesprochen hat, ist mir mein Problem richtig bewusst geworden", blickt Quint zurück. Erstmals mit Konsequenzen für sein Handeln konfrontiert, erkannte der Profi, dass er in seinem "Leben die nächste Stufe erklimmen muss".

Der Anstoß dazu war unsanft, aber Quint ist Lamoriello dankbar für seine Kompromisslosigkeit. "Ich brauchte diese Hilfe, auch wenn ich anfangs nicht damit einverstanden war", sagt der Abwehrspieler. Über ein Programm der Liga verbrachte er im Sommer 2000 fünf Monate in einer Reha-Klinik. Es war eine harte Zeit.

Auch deshalb, weil Quint in der Klinik das Gefühl bekam, seine Karriere mit dem Alkohol leichtfertig aufs Spiel gesetzt zu haben. Denn bevor man in der NHL nach einer Entziehungskur wieder auf dem Eis stehen darf, muss eine Bescheinigung über eine erfolgreiche Behandlung vorgelegt werden. "Da wusste ich, dass ich mich bessern muss, wenn ich wieder spielen will", sagt Deron Quint.

Die NHL-Karriere des Verteidigers dauerte nach dem Klinik-Aufenthalt noch vier Jahre. Eisbären-Manager Peter John Lee glaubt, dass Quint noch immer dort spielen würde, hätte er damals die Finger vom Alkohol gelassen. Das ist aber nicht mehr wichtig. Für Quint zählt nur, wieder auf den richtigen Weg zurückgefunden zu haben. Er ist glücklich.

Quint großer Rückhalt ist inzwischen seine Familie. "Ich habe eine wundervolle Frau und zwei Kinder, die sich auf mich verlassen. Deshalb achte ich darauf, dass ich die richtigen Entscheidungen treffe", sagt er. Selbst die Bierbäder und Sektduschen bei den Eisbären, mit denen Quint 2005 den Meistertitel feierte, nahm er gelassen. "Hätte ich das vier oder fünf Jahre früher erlebt, wäre es schwer geworden für mich", ahnt der Verteidiger, der seit sieben Jahren keinen Tropfen Alkohol mehr angerührt hat. Trotzdem weiß er, dass die Krankheit ihn "immer begleiten wird". In diesem Moment gibt es keinen ernsthafteren Menschen als Deron Quint.