Nach Prügelei: Geldstrafe für Hertha-Talent

Das Trainingsgelände des Fußballclubs Stern 1900 in der Kreuznacherstraße. Savas Gündüz will nach dem Training seinen Mercedes besteigen.

Das Trainingsgelände des Fußballclubs Stern 1900 in der Kreuznacherstraße. Savas Gündüz will nach dem Training seinen Mercedes besteigen. Drei Gestalten hindern ihn daran. Zwei davon sind Bilal Cubukcu und Volkan Altin, Nachwuchsspieler von Hertha BSC. Cubukcu zückt ein Messer. Es kommt zu einer Rangelei, in deren Folge Cubukcu Gündüz einen Schlag mit der Faust aufs Auge versetzt. Später demolieren Cubukcu und Altin das Auto von Gündüz und verursachen einen Sachschaden in Höhe von 2500 Euro. So ähnlich liest sich die Anklage der Staatsanwaltschaft Berlin wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung gegen Hertha-Kicker Bilal Cubukcu, der auch ab und an im Profi-Kader trainiert, und Volkan Altin (zuletzt Kickers Emden), die am Dienstag vor dem Amtsgericht Tiergarten verhandelt wurde.

Der Vorfall liegt bereits 21 Monate zurück, es war der Abend des 17. November 2005, als Savas Gündüz Opfer dieses Überfalls wurde.

Vor dem Sportgericht des Berliner Fußball-Verbandes konnte der Sachverhalt nicht aufgeklärt werden. Zu widersprüchlich waren die Aussagen der Zeugen, das Verfahren wurde deswegen ausgesetzt, bis der Fall durch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und ein gerichtliches Urteil aufgeklärt ist. Bei Hertha BSC hat man damals von Konsequenzen für Cubukcu (und Altin) abgesehen. "Der Spieler hat uns gegenüber immer wieder versichert, dass die Vorwürfe vollkommen haltlos sind", erklärt Hertha-Jurist Jochen Sauer. Der Verein sah sich nicht veranlasst, an den Beteuerungen seines Spielers zu zweifeln.

Diese Position wird Hertha nun überdenken müssen. Zwar endete die Verhandlung vor dem Amtsgericht Tiergarten gegen den heute 20-Jährigen mit einer Einstellung des Verfahrens. Allerdings wurde Cubukcu die Zahlung einer Geldbuße in Höhe von 500 Euro auferlegt. Altin muss 300 Euro zahlen.

Die Höhe der Geldbuße hält Gündüz "für einen Witz." Rechtsanwalt Peter Feldkamp spricht als Vertreter der Nebenklage von einem "lachhaften Betrag." Lachhaft, weil sich die in der Anklage erhobenen Vorwürfe nach übereinstimmenden Berichten im Laufe der Verhandlung bestätigt haben. "Er hat die Tat so zugegeben und sich bei mir entschuldigt", erzählt Gündüz.

Von einer Entschuldigung oder einem Schuldanerkenntnis will Cubukcu-Verteidiger Detlev Müllerhoff hingegen nichts wissen. "So etwas hat es nicht gegeben", sagt der Anwalt. Er setzt sich damit in Widerspruch zu den Verlautbarungen des verhandlungsführenden Richters. "Wirklich nett und herzlich" sei die Entschuldigung gewesen, gibt Richter Hengst an. Die Schlussfolgerung, dass die in der Anklage erhobenen Vorwürfe zutreffend sind, bestreitet er nicht.

Es ist deswegen davon auszugehen, dass die Sache für Cubukcu ein Nachspiel haben wird. Zum einen wird er von Gündüz noch zivilrechtlich belangt werden, zum anderen dürften ihn Konsequenzen seitens seines Arbeitgebers erwarten. Manager Dieter Hoeneß war für eine Stellungnahme zwar nicht zu erreichen, Jochen Sauer kündigte aber bereits an, dass der Fußball-Bundesligist mit dem Spieler in jedem Fall noch einmal das Gespräch suchen werde.

Dass alles ist für Savas Gündüz nebensächlich. Auch dass die Karriere von Bilal Cubukcu möglicherweise einen Rückschlag erfährt. "Ich mag Hertha und will niemandem dort etwas Böses", verdeutlicht Gündüz. "Wir hätten das alles verhindern können, wenn sich Bilal früher bei mir entschuldigt hätte."