Der Plan lag schon bereit. Obwohl der Termin erst im nächsten Jahr anstand. Eine Hundert-Jahr-Feier will eben gut durchdacht sein. Erst recht, wenn dem ältesten deutschen Eishockey-Verein so ein Jubiläum bevorsteht, dem Berliner Schlittschuh-Club (BSchC).

Beständigkeit aber ist nicht gerade eine Tugend in der Berliner Vereinslandschaft; besonders dann nicht, wenn sie mit Eishockey verbunden ist. Preussen, Devils, Capitals - alles temporäre Phänomene, die vornehmlich mit wirtschaftlichem Harakiri brillierten und der Vergangenheit angehören. Doch auch das Hier und Jetzt bietet weiterhin skurrile Geschichten. So hat man sich beim BSchC zum 30. Juni seiner Eishockey-Abteilung entledigt.

Der Schlittschuh-Club ohne Eishockey? So recht will das nicht zusammengehen. Die Kufencracks begründeten den Ruhm des Vereins. Deutscher Rekordmeister darf man sich mit 20 Titeln nennen. Größen wie Gustav Jaenecke, Lorenz Funk oder Xaver Unsinn prägten das Club-Bild.

Von der Tradition verabschiedete sich man bereits nach dem Amtsantritt von Präsident Peter Neumann im vergangenen Jahr. Weil Platz gebraucht wurde im Vereinsgebäude an der Glockenturmstraße, landeten Original-Trikots, Pokale, Fotos etc. aus fast 100 Jahren Eishockey in einem Container. Ein Fan rettete die Utensilien; jetzt hat er daheim sein eigenes Museum.

Der endgültige Bruch erfolgte nun - wie sollte es anders sein - aus finanziellen Gründen. Weil die Eishockey-Fraktion wohl nicht kostendeckend arbeitete, erwirkte die schon längst größere Tennis-Fraktion den Rausschmiss.

Stellung nehmen wollte Präsident Neumann dazu nicht. Er hat Dringenderes zu tun, schnellstens müssen 90 000 Euro her. Ein Gläubiger duldet keinen Aufschub mehr, die Insolvenz droht. "Die finanzielle Lage des Berliner Schlittschuh-Clubs ist dem Senat bekannt", sagt Isabelle Kalbitzer, Sprecherin der Senatsverwaltung für Sport. Die Behörde mahnt den Klub seit längerer Zeit zu besserem Wirtschaften. Dem Vernehmen nach bestehen Verbindlichkeiten von etwa 900 000 Euro. "Gemeinsam mit dem Verein wird nach Lösungen gesucht. Der Schlittschuh-Club hat bereits ein Konzept zur Sanierung vorgelegt, dieses ist aber veränderungsbedürftig", erklärte Kalbitzer.

Diese Probleme liegen hinter der ehemaligen Eishockey-Abteilung. Sie hat sich neu erfunden, der Berliner Schlittschuh-Club 2007 Eissport e.V. soll die Tradition fortführen. Dank des Aufstiegs in die Regionalliga hofft Martin Ohme, einer der Initiatoren, auf den Zuspruch der Fans und viele neue Mitglieder. Damit es auch eine zünftige Party wird nächstes Jahr - zum Einjährigen. Oder Hundertjährigen.