Eigentlich hatten die Mitglieder des Fußball-Oberlisten BFC Dynamo gehofft, dass der Verein nach seiner Jahreshauptversammlung wieder Klarheit und eine Struktur für die Zukunft vorweisen kann. Doch entgegen diesen Erwartungen herrschte gestern am Sportforum Hohenschönhausen das komplette Chaos.

Wieder einmal ging es um die Eitelkeiten Einzelner. So stand plötzlich infrage, ob der überraschende Rücktritt von Präsident Mario Weinkauf einen Tag vor der Versammlung überhaupt rechtskräftig sei, da keine schriftlich klare Aussage seinerseits vorlag. Die Kritik an Weinkauf fiel harsch aus. Immer wieder musste er sich den Anfeindungen der 280 anwesenden Mitglieder stellen.

Die allgemeine Kritik ging sogar so weit, dass neben der Wahl des Wirtschaftsrates auch über eine Abwahl des bisherigen Präsidiums diskutiert wurde (beides nach Redaktionsschluss). Sollte es wirklich dazu kommen, würde der neue Wirtschaftsrat für die kommenden Wochen die Geschäfte übernehmen, bis ein neues Präsidium gewählt ist.

Ohnehin dauerte es nach dem Einlass um neun Uhr zunächst knapp drei Stunden, bis die Hauptversammlung um 11.51 Uhr überhaupt beginnen konnte. Grund für diese enorme Verzögerung war zum einen die genaue Datenkontrolle der Gäste - nur Mitglieder hatten Zutritt. Zum anderen stellte sich heraus, dass das Vereinsheim viel zu klein für die 280 anwesenden Personen war. Infolgedessen musste sogar die Einrichtung umgestellt werden.

Chaos herrschte auch bei der Auswahl des Sicherheitsdienstes. Neben einer speziell für die Veranstaltung gebuchten Firma, die den Einlass regelte, tauchten plötzlich die bei den Fußballspielen eingesetzten BFC-Sicherheitskräfte auf. Offensichtlich wurden keine Absprachen zwischen den rivalisierenden Parteien um Mario Weinkauf und Peter Meyer (Sponsor und Wirtschaftsrats-Kandidat) getroffen.

Presse und Gäste ausgeschlossen

Nachdem die Sitzung dann endlich vom gewählten Versammlungsleiter René Lau eröffnet worden war, votierten 250 der 267 stimmberechtigten Mitglieder für einen sofortigen Ausschluss von Presse und Gästen. Geschäftsstellenleiter Frank Berton sorgte mit unmissverständlichen Gesten dafür, dass die unerwünschten Personen das Areal am Sportforum verließen. "Sie sind hier unerwünscht. Bitte verlassen Sie sofort diesen Bereich", sagte Berton. Diese Aussage dokumentierte noch einmal den Zustand eines anscheinend völlig orientierungslosen Vereins.