Ronny Ackermann jubelte mit Tränen in den Augen über den zweiten deutschen Titel bei den nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Sapporo. "Der Ronny hat eiskalt seine Chance genutzt. Jetzt haben wir mit acht Medaillen unser Ziel schon übererfüllt", kommentierte Teamchef Thomas Pfüller den zweiten deutschen Goldlauf nach dem Triumph von Langläufer Axel Teichmann. "Und am Sonntag haben wir noch eine große Chance." Dann will sich Langläufer Tobias Angerer nach Silber und Bronze bei der WM im schweren 50-km-Marathonrennen endlich seine erste große Goldmedaille holen.
Sein Vorbild ist dabei Ronny Ackermann, der im Shirahatayama-Stadion als erster Kombinierer seinen dritten WM-Titel im Einzelwettkampf in Folge und seinen vierten insgesamt feierte. "Das ist völlig verrückt, ich habe etwas geschafft, was ich mir selbst nicht zugetraut habe. Das ist ein unglaublich emotionaler Moment für mich", meinte der 29-Jährige. 8,5 Sekunden Vorsprung rettete Ackermann vor seinem ärgsten Verfolger Bill Demong (USA) ins Ziel und sank danach völlig erschöpft in den Schnee. Es war sein erster Sieg seit zwei Jahren - damals hatte bei der Heim-WM in Oberstdorf gewonnen.
Mit "den besten Sprüngen der ganzen Saison" war Ackermann auf der Miyanmori-Normalschanze auf Platz fünf gesegelt. Er witterte seine "Chance auf eine Medaille", nahm im Bus noch eine Mütze Schlaf und begab sich mit 34 Sekunden Rückstand auf Sprunglaufsieger Jason Lamy-Chappuis (Frankreich) in die Loipe. Nach gut neun Kilometern hatte er den finnischen Spitzenreiter Anssi Koivuiranta eingeholt. Als Demong bis auf 15 Sekunden herangekommen war, startete Ackermann bei Kilometer zwölf die entscheidende Attacke und hängte Bronzegewinner Koivuranta ab.
"Die Attacke war fast ein bisschen zu früh, ich habe zum Schluss meine Beine nicht mehr gespürt. Wenn es noch 500 Meter weiter gegangen wäre, wäre ich zusammengebrochen", meinte Ackermann. Im Ziel gratulierte ihm der trotz bester Laufzeit diesmal nur sechstplazierte Doppel-Weltmeister Hannu Manninen (Finnland), während dem in Sapporo schon mit Silber und Bronze belohnten Björn Kircheisen die Enttäuschung nach Rang sieben deutlich anzumerken war. Sebastian Haseney komplettierte den starken deutschen Auftritt auf Platz neun.
"Einer von unseren drei Topleuten ist durchgekommen, so war die Taktik. Kirche hätte heute auch Weltmeister werden könne, aber er hatte auf der Schanze Pech mit dem Wind. Ronny ist halt einmalig, ein echter Siegertyp", kommentierte Bundestrainer Hermann Weinbuch. Mit einem kompletten Medaillensatz wiederholten die deutschen Kombinierer das Traumresultat der Winterspiele im Vorjahr, obwohl Olympiasieger Georg Hettich bei seinem einzigen Einsatz nur auf Platz 29 landete.
Ronny Ackermann dachte nach seinem Triumph vor allem an seinen schweren Weg zurück nach ganz oben. "Die letzten zwei Jahre waren verdammt schwer, ich musste bei null anfangen. Ich habe meine Skifirma gewechselt, den Sprungstil verändert", sagte er und fügte hinzu: "Ich werde mich heute Abend betrinken."
Zur Königin von Sapporo krönte sich mit ihrem dritten Titel die finnische Langläuferin Virpi Kuitunen, die über 30 km vor den beiden Norwegerinnen Kristin Steira und Therese Johaug triumphierte. Evi Sachenbacher-Stehle lief als Zehnte mit 3:44,4 Minuten Rückstand erneut mit dem gewünschten Top-Ten-Platz ins Ziel.

