Berlin - Ein Kapitel Berliner Volleyballgeschichte ist endgültig beendet. Gestern stellte Volley-Cats-Präsident Heinz Kuring beim Berliner Amtsgericht einen Insolvenz-Antrag. 40 000 Euro Schulden hatte der Traditionsklub in den vergangenen Jahren angehäuft. Seit Februar wurden keine Gehälter mehr bezahlt. Spielerinnen werden jetzt «mit einem geringen Insolvenz-Geld auskommen müssen», sagt Kuring.
Dass die abgelaufene Saison überhaupt begonnen werden konnte, ist dem Landessportbund zu verdanken. 50 000 Euro Sonderzuwendung steuerte der Verband bei, weil bei den Cats sechs der hoffnungsvollen Talente der Nachwuchsschmiede VC Olympia unterkamen. Beendet wurde die Spielzeit auf Platz zehn. Über die Relegation gelang der sportliche Klassenerhalt in letzter Minute.
Nicht vergessen sind bei den Cats die guten alte Zeiten, als mit Maike Arlt, Grit Naumann und Susanne Lahme Top-Spielerinnen für den Klub ans Netz gingen und das Team als CJD Berlin 1993 das begehrte Tripel (Meister, Pokal- und Europapokalsieger der Landesmeister) holte. Insgesamt vier Pokalsiege und zwei Meistertitel schafften die Berliner Schmetterkünstlerinnen Anfang der 90er-Jahre.
Mit der Umbenennung von CJD (Christliches Jugenddorf) in Volley Cats 1999 begann aber der Katzenjammer. Missmanagement, verfehlte Transferpolitik und Trainerwechsel beherrschten die Schlagzeilen. Volleyball der Spitzenklasse? Fehlanzeige. Der Verein spielte gegen den Abstieg, obwohl die Verantwortlichen das nicht wahr haben wollten. Man hielt sich immer noch für europäische Spitzenklasse. Das Wort Realitätssinn galt rund um das Sportforum als Fremdwort.
Trotz allem wird wahrscheinlich auch in Zukunft Volleyball auf Erstliga-Niveau in Berlin zu sehen sein. Cats-Präsident Heinz Kuring parkte die Bundesliga-Lizenz des Vereins kurzerhand beim SV Eintracht Berlin, einem Schwester-Klub von Eintracht Hellersdorf. Das war möglich, weil Kuring sieben Spielerinnen - drei mehr als durch die Regularien gefordert - bewegen konnte, den Wechsel mitzumachen.
Dort wo auch Männer-Bundesligist Volley Dogs zu Hause ist, will er aber nicht bleiben: «Ich halte nichts davon, zwei Erstliga-Volleyball-Vereine unter einem Dach zu haben. Deshalb suche ich bewusst den Kontakt zu reinen Volleyball-Vereinen.» Kuring hat vor allem ein Ziel vor Augen: «Ich will auf jeden Fall mal ohne Schulden in eine Saison gehen.»
Bis zum 30. Juni hat er Zeit, einen geeigneten Klub zu finden. Dann endet die Meldefrist des Deutschen Volleyball-Verbandes für die Bundesliga.
Ein Problem bleibt in jedem Fall: Das ohnehin schon dürftige Niveau zu halten, ist schwer genug: Mit Anja-Nadin Pietrek, Sabine Sagert und Kati Radzuweit verlassen drei Säulen die Manschaft. Auch Zuspielerin Adina Hinze denkt an einen Wechsel. Kuring: «Das muss man abwarten. Einige Spielerinnen sind jetzt sauer, dass sie nun nicht das volle Geld erhalten. Die wollen aber in der Stadt bleiben.»

