Bayer setzt auf die deutsche Karte

Wenn Alba Berlin heute auf Basketball-Rekordmeister Bayer Leverkusen trifft, kommt ein alter Bekannter in die Schmeling-Halle: Sven Schultze. Vier Jahre lang trug der 24-Jährige das Alba-Trikot, bevor er im Sommer nach Leverkusen wechselte.

«Natürlich ist das ein ganz besonderes Spiel für mich», sagt Sven Schultze vor der Partie seines neuen Klubs Bayer Leverkusen heute gegen Alba Berlin in der Schmeling-Halle (15 Uhr, Ausschnitte 18.35 Uhr in Sat 1). Schließlich geht es «gegen die alten Kollegen», mit denen der Basketballprofi vier Jahre lang zusammengespielt hat. Wenn Rekordmeister Bayer gegen den Titelträger der vergangenen sechs Jahre antritt, sind die Rollen allerdings klar verteilt. «Logisch, dass Alba Favorit ist», meint Schultze, «aber wir haben nichts zu verlieren.»

Überhaupt zeigt die Leistungskurve der Leverkusener langsam nach oben, drei Niederlagen zum Auftakt folgten zwei Erfolge. «Das waren Muss-Siege», schränkt Schultze allerdings ein. Denn die Gegner hießen Würzburg und Ludwigsburg, beides Abstiegskandidaten.

Das Ziel von Bayer lautet: Erreichen der Play-offs. Am liebsten möchte man sich zwischen den Plätzen drei und sechs einreihen. Nach den zwei Siegen sagt Trainer Heimo Förster: «Wir kommen langsam in Fahrt.» Viel zu kurz sei die Vorbereitung für die neu zusammengestellte Mannschaft gewesen, meint er. Daher müsse sich das Team erst finden.

Sven Schultze steht stellvertretend für die Bayer-Mannschaft 2002/2003. Man setzt auf junge deutsche Spieler, lediglich mit den beiden US-Amerikanern John Best und Nate Fox stehen zwei Ausländer bei Bayer im Kader. «Man muss sich umorientieren», erklärt Manager Thomas Deuster, der zwischen 1986 und 1989 beim DTV Charlottenburg unter Vertrag stand. Förster fügt hinzu: «Man kann nicht immer wieder jedes Jahr die Mannschaft komplett austauschen.»

Ein Grund für das Umdenken bei Bayer liegt aber schlicht und einfach in der Tatsache, dass man den Saisonetat drastisch nach unten schrauben musste. Jetzt wird auf deutsche Spieler gesetzt, wie eben Schultze, Demond Greene oder Heimkehrer Denis Wucherer - und man wird wohl erst einmal nicht mehr ganz vorne mitspielen. «Nicht jeder akzeptiert das», sagt Deuster mit Blick auf die Fans. «Da sind nicht alle auf die Tische gesprungen vor Freude.» Schultze hofft, «dass die Zuschauer Geduld mit uns haben». Ungeduldig war jedoch Schultze selbst in den ersten Spielen. «Ich stand mir selbst im Weg», gibt er zu. «Er war übermotiviert und wollte zuviel zeigen, wenn er von der Bank kam», erzählt sein Trainer. Jetzt habe er jedoch mehr Sicherheit, seit er in der Startformation steht. «Man darf sich einiges erlauben und muss nicht gleich raus», sagt Schultze. Der Trainer könne gut mit Spielern umgehen, lobt der 24-Jährige.

Förster ist Novize in der ersten Liga. Vorher trainierte er den Regionalligisten Leichlinger TV. Seine Verpflichtung war nicht unumstritten. Aber der freundschaftlich mit ihm verbundene Deuster setzte die Personalie durch. Der 37-jährige Förster spielte 13 Jahre lang bei Bayer, war an sieben Titelgewinnen beteiligt. Ihm blieb jedoch zumeist nur die Rolle des Edelreservisten, nur selten kam er zum Einsatz. «Es war schön, zu einem erfolgreichen Team zu gehören», sagt er heute. Und überhaupt: «Mancher hat Hunderte von Spielen gemacht und Tausende von Punkten erzielt - und hat das Spiel trotzdem nicht richtig verstanden.»