Vor gut drei Monaten stand Kim Kuci mit dem American-Football-Team von Berlin Thunder im World Bowl, dem Finale der NFL Europe. Seine Mannschaft schlug Düsseldorf Rhein Fire mit 26:20 und verteidigten damit als erstes Team in der Geschichte der Liga ihren Titel. Ein Triumph, der im gleichen Jahr nicht mehr zu überbieten sein sollte. Eigentlich.

Aber manchmal gibt es noch ein «uneigentlich». Denn jetzt hat Kuci mit den Berlin Adlern die Chance auf den zweiten Titel innerhalb kürzester Zeit. Der Reihe nach: Der 28-Jährige war bei Thunder einer Nationals, die eher selten zum Einsatz kommen und deren direkter Anteil am Erfolg daher überschaubar ist. Nach der NFL-Europe-Saison wechselte der Running Back in die German Football League (GFL) zu den Berlin Adlern. Nach dem 23:21-Sieg bei den Rüsselsheim Razorbacks erreichte der viermalige deutsche Meister als erster Aufsteiger in der Geschichte der GFL das Play-off-Halbfinale, in dem man heute bei Titelverteidiger Hamburg Blue Devils antritt.

Ein Erfolg, den der Mannschaft vor der Saison keiner zugetraut hatte - bis auf die Spieler selbst, wie Kim Kuci berichtet: «Wir hatten uns intern das Ziel gesteckt, die Play-offs zu erreichen. Insofern ist der Saisonverlauf für uns keine so große Überraschung.» Und heute wollen die Berliner im Stadion Itzehoe sogar das Unmögliche möglich machen und beim amtierenden deutschen Meister gewinnen. Dieser war auch bei der letzten Halbfinal-Teilnahme der Adler 1995 der Gegner. Nach dem 9:14 verabschiedeten sich die Berliner für längere Zeit aus der deutschen Spitze.

In der laufenden Spielzeit verloren die Adler beide Spiele gegen die Hansestädter relativ knapp (10:17, 7:13). Daraus schöpft Kuci Hoffnung: «Wir haben beide Partien erst im letzten Quarter verloren oder anders ausgedrückt: Wir haben von acht Vierteln sechs dominiert.» Deshalb sieht er trotz der klar verteilten Rollen - Adler Außenseiter, Hamburg Favorit - eine realistische Chance: «Die sind schlagbar.» Denn er spekuliert darauf, dass die großen Hamburger den Underdog aus Berlin unterschätzen: «Vielleicht nehmen sie uns auf die leichte Schulter.» Während sein Team sicher voll motiviert in die Auseinandersetzung gehen wird: «Wir stehen nur 48 Minuten vor dem Finale. Das ist für viele von uns vielleicht eine einmalige Gelegenheit. Wer weiß, ob wir jemals noch mal so weit kommen? Ich kann mir jedenfalls gut vorstellen, dass wir hungriger sind.»

Um die zuletzt schwächelnden Hamburger, die ihr Viertelfinalspiel gegen die Franken Knights nur gewannen, weil die Schiedsrichter Sekunden vor Schluss einen Touchdown der Bayern nicht anerkannten, zu bezwingen, muss die Adler-Defense allerdings den zuletzt überragenden Running Back Estrus Crayton (sechs Touchdowns beim 49:42 gegen Franken!) stoppen.

Wenn das gelingt, könnten die Adler in zwei Wochen im Finale um den German Bowl auf den bisher ungeschlagenen Top-Favoriten Braunschweig Lions treffen, bei dem Thunder-Kollege Jörg Heckenbach spielt. Kuci träumt schon mal ein bisschen: «Wir haben beide die Chance, zwei Meisterschaften innerhalb weniger Monate zu gewinnen. Das wäre die absolute Krönung eines tollen Football-Jahres.»