Zehn Mal Gold, sieben Mal Silber und fünf Mal Bronze bei der Berliner EM - Deutschlands Schwimmer bleiben Europas Beste. Am letzten Tag gab es Gold für die Damen-Lagenstaffel, Silber für Sandra Völker und Bronze für Annika Mehlhorn sowie das Herren-Team. Die Springer-Gilde glänzte golden durch Ditte Kotzian/Annett Gamm vom Turm.
Die Heldin der Schwimm-EM hatte gut lachen. Franziska van Almsick beliebte vor dem letzten goldenen Akt der Franzi-Wasserlustspiele vor erneut 4000 enthusiastischen Zuschauern in der Halle im Europasportpark entspannt zu scherzen. «Hoffentlich schwimme ich nicht Kraul los», meinte die Freistil-Ikone, die tags zuvor in phantastischer Weltrekordzeit über 200 m brillierte, vor ihrem Schmetterlingspart in der Lagenstaffel. Natürlich unbegründet. Denn das Quartett der neuen deutschen Einheit mit Antje Buschschulte (Rücken), Simone Weiler (Brust) und Sandra Völker (Freistil) sprintete nicht nur zum dritten deutschen Mannschaftstriumph der Damen, sondern schraubte den eigenen Europarekord auf 4:01,54 Minuten.
Delfin Franziska, die das Schweden-Team als vermeintlichen Hauptrivalen dabei locker abhängte, holte sich anschließend ihren fünften Titel im fünften Versuch ab - die Hälfte des deutschen EM-Goldschatzes. «Wir hatten vorher gedacht, dass Schweden mehr Ballett macht, aber wir waren einfach überragend», lautete der vorerst letzte Jubler der 24-jährigen «FvA», bevor sie mit Handballfreund Stefan Kretzschmar aus der Halle in den Urlaub verschwand.
Antje Buschschulte übergibt heute den «EM-Staffelstab» mit besten Wünschen an ihren Leichtathleten Ingo Schultz in München. Sandra Völker hingegen ist «völlig platt», weil die Hamburgerin eine gute halbe Stunde zuvor zu Silber über 50 m Rücken schwamm, einen Berliner EM-Einzeltitel und den eigenen Weltrekord aber deutlich verfehlte.
Die 18-jährige Polin Otylia Jedrejczak stellte eine neue Bestmarke auf und «schmetterte» die 200 m in 2:05,78 - für Annika Mehlhorn (Baunatal) als Bronze-Gewinnerin aber einfach zu schnell.
Langsam auch geht es zu Ende mit dem großen Alexander Popow - hätte man denken können beim Sprint über 50 m Freistil. Da ging der Weltrekordler und viermalige Olympiasieger auf Platz fünf unter, kraulte so langsam wie seit elf Jahren nicht. Doch auch EM-Star Pieter van den Hoogenband, schon Sieger über 100 und 200 m, kam nur einen Platz vor dem Russen ein, denn der polnische Nobody Bartosz Kizierowski stahl den beiden Cracks die Show und Gold.
Doch Popow wusste genau, was er tat. 40 Minuten später nämlich brauchte er die gesparte Kraft, um seine Lagenstaffel als finaler Mann zum Titel zu führen. Kraft, die dem deutschen Team mit Stev Theloke, Jens Kruppa, Thomas Rupprath und Stefan Herbst am Ende fehlte.
Stark wollten sie sein und waren unter dem Jubel der Berliner Zuschauer im Bärenkostüm einmarschiert, doch es reichte nur zu Bronze. «Wir sind alle ziemlich breit», fand der Sachse Theloke, Sieger der 100 m Rücken nach einer Woche Dauerstress, der sich allerdings gelohnt hat.
Wie lautete doch Franziska van Almsicks Credo der EM? «Dieser neue Zusammenhalt der deutschen Schwimmer ist einfach unbeschreiblich», sagt sie, «ich bin ein bisschen traurig, dass es schon vorüber ist.» Nicht nur sie.


