Der Vorgang schockiert die USA. Deutlicher als jetzt hat die erfolgsverwöhnte Nation noch nie vor Augen geführt bekommen, dass ihre geliebten Idole massenhaft zum Betrug neigen. Unter jenen Leichtathletik-Helden, die bevorzugt mit Goldmedaillen in Stars-and-stripes-Flaggen gehüllt die Ehrenrunden absolvieren, finden sich die abgezocktesten Doper der Welt. Erschüttert erfahren ihre Landsleute einer Verschwörung von Chemikern mit Trainern und Athleten. Dankbar registriert die Welt nun allerdings den ersten Fortschritt. Die Unabhängigkeit der Dopingjäger sorgt dafür, dass der Skandal sofort ans Licht kommt; nicht erst, wie bisher, zufällig und Jahre später, weil irgendjemand aus ganz anderen privaten Gründen eine Klage einreicht und dafür geheimes Material veröffentlicht. Tatsächlich nämlich gilt die Dopingverfolgung in den USA als umstritten. Immer wieder tauchen Beweise und Zeugen auf, die belegen, dass des Dopings überführte US-Sportler von Funktionären geschützt worden sind. Erst im Frühjahr legte der ehemalige Antidoping-Chef Wade F. Exum Akten vor, nach denen über 100 Athleten nach positiven Tests vom NOK der USA gedeckt wurden. Zugleich dürfen die Amerikaner sich trotz der Publizierung des Skandals nun keinesfalls umgehend als Aufklärer-Nation feiern. Noch immer sorgen seltsame Vorschriften dafür, dass in Amerika solange mit der Veröffentlichung der Namen gewartet werden muss wie nirgendwo sonst. 30 Tage nach der B-Probe erst ist mit der Zuweisung individueller Schuld zu rechnen.