Auch Ronaldo hat es geschafft

Es gibt Tage im Leben, die vergessen Sportler nie. Vorzugsweise sind es natürlich die Highlights der Karriere, Momente eines besonderen Sieges, eines gewonnenen Titels. Aber es gibt auch die anderen, die bitteren Erinnerungen. Tommy Thorwarth wird den 4. November 2002 nicht vergessen.

Mit dem Mitteldeutschen BC spielte er in der Basketball-Bundesliga in Bamberg, wollte gerade Steffen Hamann den Ball abjagen. Dabei knickte Thorwarth plötzlich weg, hatte ein Gefühl, als sei der Kontrahent mit voller Wucht gegen sein Knie gerannt. Viel später, bei der Betrachtung einer Videoaufzeichnung, sah er, dass es gar keinen Kontakt gegeben hatte. Ihm war einfach mitten in der Aktion die Patellasehne gerissen, die das Knie stabilisiert. Das, weiß der 23-Jährige inzwischen, passiert von einer Million Menschen durchschnittlich nur einem. "Ronaldo ist auch einer von denen", hat ihm ein Arzt erzählt.

Der brasilianische Fußballer ist nach dieser schweren Verletzung zurückgekommen und sogar Weltmeister geworden. Thorwarth würde es zunächst einmal reichen, wieder ganz gesund zu werden. Dazu braucht er viel Geduld. Der junge Mann hat es schätzen gelernt, was es heißt, komplikationslos eine Treppe rauf und runter zu gehen. "Ich hoffe, im Januar wieder auf dem Feld zu stehen", sagt er vorsichtig. Momentan ist an ein richtiges Training mit der Mannschaft noch nicht zu denken. Aber immerhin kann Tommy Thorwarth wieder laufen.

Der Weg dorthin war schwer. Alba Berlin hatte den Flügelspieler für ein Jahr an den MBC ausgeliehen, damit er dort Spielpraxis sammeln möge. "Das hat nicht so geklappt", gibt Thorwarth zu. In vier Spielen kam er zum Einsatz, wähnte sich auf gutem Wege. Dann kamen Knieschmerzen, Kortisonspritzen, die man ihm nicht hätte geben dürfen, und schließlich der Riss in Bamberg. Nach der Operation kamen Komplikationen hinzu, Bakterien im Knie, das zwei Mal gespült werden musste. "Doch seitdem", sagt Thorwarth, "geht es ständig bergauf."

Seine Teamkollegen und Trainer von Alba hatten ihn nicht vergessen, ihn im Krankenhaus besucht. Er selbst kam zu jedem Spiel und schaute sogar beim Training zu, seit er nicht mehr an Krücken gehen musste. Nun will Tommy Thorwarth wieder zu einem Rivalen um die Stammplätze werden. "Es gibt sechs Spieler auf den Positionen zwei und drei - da muss jeder kämpfen", meint der gebürtige Potsdamer. Ein Kämpfer war er immer, kam über Streetball zu Albas Kooperationspartner TuS Lichterfelde und arbeitete sich schließlich bis ins Team des Europaligisten.

Sein Vertrag bei Alba läuft Ende der Saison aus. Umso wichtiger, dass er rechtzeitig wieder fit wird. Auch wenn es mit einem neuen Kontrakt beim Meister nicht klappen sollte - "ich will schon in Europa spielen", hat Thorwarth sich zum Ziel gesetzt. Für Alba-Trainer Emir Mutapcic steht außer Frage, dass er das auch schaffen wird: "Wie ich Tommy kenne, wird er hundertprozentig kämpfen für seinen Platz. Sei es bei Alba oder insgesamt im Basketball."