Olympia

Vesper nimmt Vergleich bei Zensur zurück

Die umstrittenen Äußerungen von DOSB-Generaldirektor Michael Vesper zur chinesischen Internet-Zensur während der Olympischen Spiele sind für die Bundesregierung vom Tisch. Sie begrüßte gestern eine Klarstellung des deutschen Olympia-Funktionärs.

Der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) habe eingeräumt, dass sein Vergleich mit der deutschen Situation unglücklich gewesen sei, und habe diesen Vergleich zurückgenommen, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin.

Unmittelbar zuvor hatte Vesper in Peking erklärt: "Ich bin ein strikter Gegner von Internet-Zensur." Er habe keineswegs die Sperrung von Internetseiten in Deutschland auf eine Stufe gestellt mit der Zensur im Internet in China.

Vesper hatte in der ARD darauf hingewiesen, dass in allen Ländern der Welt Web-Seiten blockiert werden. Der 56-Jährige, der in Peking als Chef de Mission der deutschen Olympia-Mannschaft vorsteht, hatte gesagt: "In jedem Land der Welt, auch in der Bundesrepublik Deutschland, werden Internetseiten gesperrt. Bei uns sind es rechtsradikale Seiten, die gesperrt werden. Und es ist natürlich auch in China so, dass einzelne Seiten gesperrt werden." Gleichzeitig hatte er unterstrichen: "Es muss aber der freie Zugang zu allen wichtigen Informationen, die Journalisten brauchen, um ihre Arbeit zu tun, gewährleistet sein."

Sein Grünen-Parteikollege Volker Beck hatte den Vergleich als "aberwitzig und irritierend" bezeichnet. Der Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, Peter Danckert (SPD), sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger", der Vergleich verbiete sich: "Wir sprechen hier doch nicht über Internetseiten mit strafrechtlich relevanten Inhalten. Wir sprechen über Amnesty International."

Sperrung nicht akzeptabel

Zwei Tage vor Beginn der Olympischen Spiele relativierte Michael Vesper nun seine Äußerungen, sprach von einem Missverständnis. Nie habe er die Internet-Zensur in China verharmlosen wollen. Ihm etwas anderes zu unterstellen, sei "unfair, falsch und absurd". Er habe sich nach Bekanntwerden der Internet-Zensur vor acht Tagen sogar "von Donnerstag früh an dagegen eingesetzt und ganz klar erklärt, dass diese Sperrung von Internetseiten nicht akzeptabel ist". Es habe Schritte gegeben. "Aber ich denke, es muss weitere Schritte geben."