Trier kommt ohne seinen MVP

Er gehört zu den bekanntesten Spielern der Basketball-Bundesliga. Sogar die Fans der gegnerischen Mannschaften sehen den 34-jährigen US-Amerikaner gern, weil er mit seinen 177 Zentimetern Körpergröße zwar einer der kleinsten Spieler, aber zugleich einer der unterhaltsamsten ist. Beim Allstar-Game der Liga im Januar wurde Carl Brown zum "MVP", zum wertvollsten Spieler der Begegnung, gewählt. Doch morgen (15 Uhr, Max-Schmeling-Halle) beim Gastspiel seines Vereins TBB Trier bei Alba Berlin wird er fehlen, was in seinen zehn Jahren bei den Südwestdeutschen nur sehr selten vorkam. "Er ist wegen eines Todesfalls in seiner Familie in die USA geflogen", sagte Manager Patrick Börder, "das hat natürlich Vorrang. Und er kann bis Sonntag nicht zurück sein."

Damit wird die ohnehin schwere Aufgabe für das Tabellenschlusslicht beim deutschen Meister noch schwieriger. Die Trierer haben von ihren 17 Bundesliga-Saisonspielen nur drei gewonnen, sie waren auch in eigener Halle beim 78:97 gegen Alba chancenlos. Zuletzt unterlag der TBB am Mittwoch im Pokal-Achtelfinale daheim gegen Avitos Gießen 79:86 nach Verlängerung. "Ärgerlich", so Börder, "denn die Gießener, Würzburg und wir werden uns wohl einen Dreikampf um den Klassenerhalt liefern. Und da wäre ein Achtungszeichen nicht schlecht gewesen."

Aber es gibt aus seiner Sicht auch positive Signale. So hat sich der erst 20-jährige Isländer Jon Stefansson in seiner ersten Saison bereits als Leistungsträger erwiesen. Mit dem zwei Jahre älteren Cecil Egwuatu wurde erst vor kurzem ein Spielmacher verpflichtet, der schon einmal als größtes deutsches Talent auf seiner Position galt, dann jedoch bei seinen Vereinen SSV Weißenfels und TTL Bamberg nicht lange hielt, was er versprach. "Wir sind mit ihm bisher sehr zufrieden", sagt der Trierer Manager über den als schwierig geltenden Hamburger. Zurzeit testet der Tabellenletzte außerdem den Kroaten Zoran Helbich, der auch morgen in Berlin zum Einsatz kommen soll.

Und dann gibt es noch die neue Arena Trier, eine Halle für 6000 Zuschauer, die im Juni offiziell eröffnet werden soll. Schon Ende Mai, so berichtet Börder, werden allerdings die Basketballer dort ihre ersten Heimspiele bestreiten. Unabhängig vom weiteren sportlichen Verlauf - "ohne diese Halle", sagt der Manager, "hätten wir für die nächste Saison keine Lizenz bekommen. Dann wäre Bundesliga-Basketball in der Stadt tot gewesen."

Wegen der zuletzt nicht konstanten Leistungen des Berliner Favoriten fahren die Gäste auch ohne Carl Brown nicht hoffnungslos nach Berlin. "Wir wollen schon versuchen, dem Favoriten Paroli zu bieten", meint Börder. Man habe gehört, dass der Jugoslawe Jovo Stanojevic nach wie vor verletzt sei. In der Tat ist mit dem Einsatz des Centers morgen nicht zu rechnen. Und ein weiterer Berliner Spieler plagt sich seit Mittwoch, seit dem Pokalsieg in Bremerhaven, mit einer neuen Verletzung herum. Ausgerechnet auf der Spielmacher-Position: Mithat Demirel konnte wegen einer Oberschenkelzerrung gestern nicht voll trainieren, hofft aber noch, bis zum Trier-Spiel wieder einsatzfähig zu sein. Ein anderer Berliner Playmaker hat sich schon verabschiedet. John Celestand, im Dezember für den seinerzeit verletzten DeJuan Collins verpflichtet, flog gestern heim in die USA. Um eine Enttäuschung reicher.