Streit um Trainer Karel Fajfr

Wenn Karel Fajfr das Oberstdorfer Eissportzentrum mit Elan betritt, heben sich die Köpfe, verstummen die Gespräche. Der tschechische Skandal-Trainer ist der unheimliche Star der deutschen Eiskunstlauf-Meisterschaften, sein umstrittenes Comeback stellt alle anderen Aspekte deutlich in den Schatten.

Als zeitweiliger Coach von Ex-Meisterin Susanne Stadlmüller wagt sich der Wahl-Stuttgarter an diesem Wochenende aufs Eis zurück.

Mehr als acht Jahre lang war der mittlerweile 59-Jährige eine Unperson in der deutschen Kufenszene. 1995 verurteilte ihn die Jugendstrafkammer des Landgerichts Stuttgart zu zwei Jahren Haft auf Bewährung, einem dreijährigen Berufsverbot und einer Geldstrafe von insgesamt 25 000 Mark. Das Gericht sah es seinerzeit als erwiesen an, dass Fajfr Schutzbefohlene verletzt und sexuell missbraucht hatte, schuldig gesprochen wurde er auch wegen Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht.

«Der Prozess ist für mich Geschichte, nur die Verhandlungskosten muss ich immer noch abbezahlen», berichtet der Architekt, der am Fuße des Nebelhorns wieder seiner wahren Passion frönen kann. In einem dreiwöchigen Crashkurs hat er die verunsicherte Stadlmüller auf die nationalen Titelkämpfe vorbereitet. Bis zum 6. Januar nimmt Karel Fajfr dafür eine berufliche Auszeit, ob und wie es danach mit der Zusammenarbeit weitergeht, hängt vorrangig von den Leistungen der 18-Jährigen Stuttgarterin ab.

Nur wenn sich Stadlmüller, die schon 1994 kurzzeitig von Fajfr betreut wurde, den deutschen Meistertitel zurückholt, könnte aus dem Intermezzo eine längerfristige Trainingsgemeinschaft werden. Fajfr: «Eigentlich kommt die DM für uns zwei bis drei Wochen zu früh, aber trotzdem muss der Sieg das Ziel sein. Wenn sie schnell lernt, offensiv zu laufen, wird sie eine große Eiskunstläuferin.»

Genau die harte Arbeit mit dem umstrittenen Coach reizt die Stuttgarterin nach einem Jahr der Stagnation. «Ich habe an die Vorgeschichte überhaupt nicht gedacht, auch weil ich davon überzeugt bin, dass sie gar nicht stimmt», sagt die selbstbewusste 18-Jährige. Bezahlt wird der ehemalige Erfolgscoach für sein vorerst auf vier Wochen befristetes Engagement von den Eltern seiner Schülerin.

Auf kompromisslose Ablehnung stößt Fajfr in der Szene zwar nicht mehr, doch die Reaktionen sind gemischt. «Susanne ist eine erwachsene Läuferin und muss wissen, was sie tut. Kinder würde ich ihm jedoch nicht anvertrauen», sagt Andreas Nischwitz, in den frühen achtziger Jahren zusammen mit Tina Riegel unter Fajfr WM-Dritter im Paarlauf. Besser leben mit dem Fajfr-Comeback kann Michael Huth, Vorgänger von Fajfr als Stadlmüller-Trainer: «Vielleicht tut Susanne der Wechsel sogar sportlich gut.»

Die Fajfr'schen Kontakte zur Deutschen Eislauf-Union (DEU) beschränken sich derzeit noch auf ein Mindestmaß, doch der sportlich drittklassige Verband wird den rüden Coach nicht auf Dauer schneiden können und wollen. «Wir haben nicht das Recht, einen schon mal verurteilten Trainer noch einmal zu verurteilen», sagt der neue DEU-Präsident Reinhard Mirmseker. Größer jedoch sind die Vorbehalte im einstigen Wirkungskreis des in Brünn geborenen Sportlehrers: Ein Beratervertrag zwischen Fajfr und dem Stützpunkt Stuttgart kam nach heftiger öffentlicher Kritik nicht zustande. sid