DDR-Vergangenheit

Bürgerrechtlerin Freya Klier: Ohne Erinnern keine Zukunft

Die Mauer lässt sie nicht los. Erst kürzlich hat Freya Klier mit einem Film dramatische Versuche von DDR-Bürgern geschildert, über die bulgarische Grenze nach Jugoslawien zu fliehen.

"Viele Tausend haben die Flucht aus der DDR versucht, viele blieben verschwunden", sagte die Autorin und Filmemacherin. Auch sie hat ihre Fluchtgeschichte.

Bei der Gedenkfeier zum 50. Jahrestag des Mauerbaus hat die frühere DDR-Bürgerrechtlerin dazu aufgerufen, die Erinnerung an die Opfer der deutschen Teilung wachzuhalten. "Die Schicksale unserer Mitmenschen dürfen niemals in Vergessenheit geraten", sagte Klier. Sie erinnerte an alle, die ums Leben kamen oder verstümmelt wurden, als sie den Weg in die Freiheit über die Berliner Mauer, die innerdeutsche Grenze, die Ostsee oder Grenzen osteuropäischer Länder suchten. "Was für ein unbarmherziges System war das, von dem so viele heute noch schwärmen", rief Klier.

Die 1950 in Dresden geborene Klier erzählte von gescheiterten Fluchtversuchen, darunter ihr eigener. Sie wollte die DDR auf einem Schiff über die Ostsee nach Schweden verlassen, wurde entdeckt und verhaftet. Klier hob die Gewalt von Grenzposten und Gefängniswächtern hervor. Sie erinnerte auch an Angehörige von Flüchtlingen, darunter Kinder, die in staatliche Heime kamen. "Unsere Gedanken umfassen auch die zurückgebliebenen Eltern und Geschwister, die der Staat in Sippenhaft nahm."

Seit dem Mauerfall hat Klier gegen das Vergessen angeschrieben, Filme gedreht und mit Schulklassen diskutiert: "Ohne Erinnern können wir keine Zukunft bauen, und wir verstehen die Gegenwart nicht." Es erschrecke sie, wenn sich westdeutsche Unis nicht mit der DDR beschäftigten.