Auszeichnung

Taten folgen lassen

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Jutta Allmendinger ist Karrierefrau. Die 54-jährige Sozialwissenschaftlerin hat an der US-amerikanischen Universität Harvard promoviert und ist nach ihrer Rückkehr schnell in Führungsetagen wissenschaftlicher Einrichtungen aufgestiegen.

Die derzeit amtierende Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin ist erfolgreich, mit ihrer Forschung über Bildung und Arbeitsmarkt bekannt und ein Vorbild für berufstätige Frauen.

Weil sich Jutta Allmendinger zudem für die Förderung von Frauen einsetzt, ist sie am Montagabend zum 100. Weltfrauentag vom Frauensenator Harald Wolf (Linke) im Berliner Rathaus mit dem Frauenpreis geehrt worden. Für Jutta Allmendinger ein Anlass, weiter für die Gleichstellung von Frauen zu werben. "Es freut mich, wenn Forschungsergebnisse öffentlich wahrgenommen werden. Wenn darauf auch Taten folgten, wäre es noch besser", sagte Jutta Almendinger. Etwa die Einführung einer Frauenquote bei leitenden Funktionen. Der öffentliche Dienst könnte hier vorangehen. Die Frauenquote sei dringend notwendig. " Zunächst müssen Männer ihr Vorurteil abbauen, dass Frauen nicht führen können." Und Frauen müssten lernen, dass sie eine Chance haben und nicht ausrangiert werden, wenn sie sich ihren Kinderwunsch erfüllen.

Der einfache Weg

Geradezu gefährlich seien in der Debatte über die Quote jedoch Veröffentlichungen wie die der ehemaligen "taz"-Chefredakteurin Bascha Mika, die in ihrem Buch "Die Feigheit der Frauen" dem weiblichen Geschlecht Eigenverschulden an ihrer Situation zuschreibt. Wer wolle schon eine Quote für feige Frauen einführen? "Gerade zeigen sich erste Ansätze eines Wandels, selbst in der CSU. Und da kommt ein medial aufgewertetes Pamphlet und spielt den Ewiggestrigen in die Hände", kritisierte Jutta Allmendinger.

Nach der von ihr durchgeführten Studie im Frauenmagazin "Brigitte", "Frauen auf dem Sprung" hat Jutta Allmendinger 2008 die Zukunftswünsche junger Frauen untersucht. Das Ergebnis ist nicht neu. Frauen suchen nach Modellen, wie sie Familie und Beruf verbinden können. Einer Herausforderung, der sich die mit ihrer Familie in Bremen lebende Allmendinger selbst einmal stellen musste. Sie meint, dass sie den einfachen Weg gegangen sei. "Ich habe im Ausland studiert. Ich konnte mich dort an Frauen orientieren, die selbstverständlich und allgemein anerkannt Karriere und Familie miteinander in Einklang brachten", berichtete die gebürtige Mannheimerin. Als ihr Sohn Philipp 1994 geboren wurde, sei sie längst verbeamtet gewesen und Professorin in München. So hatte sie berufliche Sicherheit und die Möglichkeit, bezahlte Hilfe zu bekommen. "Außerdem half der Vater."

Frauenförderung ist für Jutta Allmendinger selbstverständlich, sie will Frauen Türen öffnen und in ihrem Weg bestärken. "Mein Rat an junge Frauen: sich selbst treu bleiben, an sich glauben", sagte sie. Und immer im Voraus zu denken, damit sich Kinderwünsche nicht immer weiter nach hinten verschieben. Ein exemplarisches Frauenleben gibt es für Jutta Allmendinger allerdings nicht. Jede Frau solle sich für ihren persönlichen Weg entscheiden.

( bih )