Familie

Wie das Sorgerecht allein zu den Müttern überging

Das Sorgerecht hat sich in Deutschland in den vergangenen 100 Jahren fast vollständig gedreht. In der Kaiserzeit hatte laut Gesetz allein der Vater "die elterliche Gewalt, für die Person und das Vermögen des Kindes zu sorgen".

Heute liegt das Wohl der Kinder vor allem in der Hand der Mütter. Grundlage für die heutige Situation ist die Kindschaftsrechtsreform von 1998. Mit ihr sollte das Sorgerecht neu geregelt und auch die Rechte unverheirateter Väter gestärkt werden. So heißt es in Paragraf 1626a: "Sind die Eltern bei der Geburt des Kindes nicht miteinander verheiratet, so steht ihnen die elterliche Sorge dann gemeinsam zu, wenn sie erklären, dass sie die Sorge gemeinsam übernehmen wollen (Sorgeerklärungen), oder einander heiraten. Im Übrigen hat die Mutter die elterliche Sorge."

Vorher hatte der Gesetzgeber keinerlei Anspruch auf das Sorgerecht für ledige Väter vorgesehen. Er hatte 1998 angenommen, dass unverheiratete Eltern die Möglichkeit des gemeinsamen Sorgerechts in der Regel nutzen würden. Man hatte zudem gedacht, dass Mütter "in aller Regel" nur ein Veto einlegen würden, wenn sie wegen eines elterlichen Konflikts das Kind beschützen wollten. Der Gesetzgeber glaubte, dass Mütter vor allem an das Wohl des Kindes denken und grundsätzlich keine Eigeninteressen verfolgten. Diese Annahme traf aber nicht zu, wie die Richter jetzt feststellten. Erstens bei der Häufigkeit: Nur etwas mehr als die Hälfte der Eltern nicht-ehelicher Kinder verständigen sich laut Studien tatsächlich auf ein gemeinsames Sorgerecht. Zweitens: Viele Mütter verhalten sich egoistischer als gedacht. Es sei davon auszugehen, "dass in nicht unbeträchtlicher Zahl Mütter allein deshalb die Zustimmung zur gemeinsamen Sorge verweigern, weil sie ihr angestammtes Sorgerecht nicht mit dem Vater ihres Kindes teilen wollen", hieß es.

( BM )