Das Geburtshaus von Karl Friedrich Schinkel in Neuruppin steht nicht mehr, es ist beim großen Brand am 26. August 1787, bei dem fast die ganze Stadt zerstört wurde, mit vernichtet worden. Dafür ist das Predigerwitwenhaus in der Fischbänkenstraße 8 passabel herausgeputzt worden. Dort, wo heute die Schinkelgesellschaft ihren Sitz hat, lebte der am 13. März vor 225 Jahren in Neuruppin geborene Schinkel nach dem Brand zusammen mit den Geschwistern und seiner Mutter Dorothea mehrere Jahre, bevor die Familie nach Berlin zog. Vater Johann Christoph Schinkel war am Tag des Brandes von der Sonntagspredigt in der benachbarten Dorfkirche von Wuthenow zu Fuß über Alt Ruppin in die brennende Stadt geeilt und fand die Marienkirche und sein Pfarrhaus brennend vor. Wenig später erlag der Valter den Folgen der Strapazen. Und doch erinnert heute in Neuruppin noch viel an den später weit über Preußen berühmt gewordenen Karl Friedrich Schinkel, der neben Theodor Fontane zu den berühmtesten Söhnen der Stadt am Ruppiner See gehört. Der märkische Wanderer Theodor Fontane selbst bezeichnete den Baumeister als den bedeutendsten aller Neuruppiner. Und so steht er dann auch auf einem Denkmal hinter der imposanten Pfarrkirche, heute das Kultur- und Kongreßzentrum der Stadt. Im Turm der Kirche befindet sich eine Ausstellung, die das Geschehen um den Stadtbrand von 1787 und den Wiederaufbau Neuruppins zeigt. Besonderes Highlight ist ein Hörspiel, das der Besucher im von dicken Holzbalken gefügten Inneren des dunklen Turmes erleben kann. Der Blick geht hinauf zu den Glocken - man meint für einen Moment der Zeit des sechsjährigen Schinkel nachzuspüren. Wieder draußen, entdeckt man hinter der Kirche das Denkmal für den Architekten: 1883 von Max Wiese auf Betreiben des Neuruppiner Schinkel-Komitees geschaffen, steht es heute wieder so wie zur Erbauungszeit. Die beiden örtlichen Lionsclubs und auch Rotary halfen bei der Restaurierung nach der Wende. Und wie 1883 waren auch Berliner Spender dabei. Obwohl die Familie bereits 1794 Neuruppin verließ - zusammen mit Bruder Friedrich Wilhelm besuchte er das Berliner Gymnasium "Zum Grauen Kloster" -, hielt Schinkel seiner "geliebten Vaterstadt" zeitlebens die Treue. Neuruppins langjährige Museumsdirektorin Lisa Riedel vermittelt in ihrem Büchlein "Schinkel in Neuruppin" (Edition Rieger) so manches Detail. So entwarf er als "Geheimer Oberbaurat" für das 1829 eingeweihte Denkmal für Preußenkönig Friedrich Wilhelm II., der die Stadt nach dem Brand wieder aufbauen ließ, das Umfassungsgitter. Der König ordnete eine moderne Stadtanlage mit drei großen Plätzen, breiten Straßen - sie ist heute noch so erhalten und in ihrer Gesamtstruktur einzigartig. Neuruppiner Bürger ließen das zu DDR-Zeiten eingeschmolzene Königsdenkmal nach der Wende wiederauferstehen. Auf unserem Spaziergang durch die Stadt, die als preußischste aller Städte gilt, kommen wir an der Klosterkirche, dem ältesten sakralen Bauwerk der Stadt vorbei. 1830 legte Schinkel ein Gutachten über die Gesamterneuerung der Kirche vor. Spuren des Schinkelschen Restaurierungsplanes sind an den Außenwänden die schwarzglasierten Ziegelgesimse, die untere Mauerverstärkung zwischen den Strebepfeilern, die erneuerte Giebelwand, im Innern die Rosette über dem Haupteingang, die vom Putz freigelegten Ziegelwände, die mit Paletten- und Akanthusblattmotiven versehenen Säulenkapitelle und die Gestaltung des Altars. Die Einweihung der Kirche am 16. Mai 1841 erlebte der Meister nicht, denn er lag seit dem 11. September krank danieder und starb am 9. Oktober 1841. Die dritte "Gefälligkeit", die der Oberbaurat Schinkel seiner Geburtsstadt erwies, ist ein Ehrengeschenk der Stadt Neuruppin für den Landrat von Zieten, der am 1. Juni 1838 50jähriges Dienstjubiläum beging. Der Verbleib der Silberschale ist unbekannt. Dafür kann man sich im Neuruppiner Heimatmuseum in einem Schinkelzimmer über das Wirken des Baumeisters informieren. Neben Schinkels Geburtstag, der am 13. März mit einem Festakt gefeiert wird, begeht die Stadt Anfang Juni ihren 750. Geburtstag.

Die Gewerbetreibenden der Stadt wie Klaus Palme von der Fontanebuchhandlung und auch Restaurantbetreiber, so Gabriele Lettow vom "Up Hus", dem in einem der ältesten Wohnhäuser im vom Brand verschonten mittelalterlichen Teil der Stadt befindlichen, liebevoll eingerichteten Restaurant, geben weitere Tips. Lohnenswert auch ein Besuch des Fontanezentrums im einstigen Alten Gymnasium auf dem Schulplatz. "Civibus aevi futuri - den Bürgern des künftigen Zeitalters", prangt es in goldenen Lettern über dem Portal. Was so viel heißen sollte, wie "Schaut her, das hier ist kein Zufall, das haben wir bewußt so gemacht!"

Dort sind auch in einer Wechselschau die berühmten Neuruppiner Bilderbogen zu sehen. Zwischen 1810 und 1934 stellten sie mit ihrer Bildersprache das aktuelle Zeitgeschehen dar - die ersten Comics waren geboren. Und wer eine von Schinkel 1836/37 entworfene Kirche erleben will, dem sei Wuthenow auf dem gegenüberliegenden Seeufer empfohlen.

ITB: Halle 12/Stand 101-35