Er war der Mann für alle Fälle im DDR-Regime. Er besorgte für die marode Wirtschaft im Osten Deutschlands einen Milliardenkredit, verhökerte Antiquitäten in den Westen und fädelte lukrative Ausfuhrgeschäfte für die DDR ein. Nun ist der Devisenbeschaffer der DDR, Alexander Schalck-Golodkowski, verstorben. Der 82-Jährige sei nach langer, schwerer Krankheit am Sonntagabend in München gestorben, teilte sein Verlag Edition Ost mit.

Schalck-Golodkowski hatte 1983 mit dem damaligen CSU-Chef Franz Josef Strauß einen Milliardenkredit in D-Mark für die DDR ausgehandelt. Das Geschäft bewahrte die DDR damals vor dem Staatsbankrott. Der gelernte Feinmechaniker war im Rang eines Staatssekretärs Chef der mächtigen Kommerziellen Koordinierung (KoKo), der mysteriösen Export-Import-Firma der DDR, und Mitglied des SED-Zentralkomitees. Schalck wirkte im Hintergrund und trat selten öffentlich auf. Erst als er 1981 an den Verhandlungen der DDR mit Bundeskanzler Helmut Schmidt teilnahm, geriet er ins Licht der Öffentlichkeit. 25 Milliarden D-Mark habe er von 1966 bis 1989 für die DDR beschafft, bekannte der Funktionär später. Im Koko-Imperium gab es 200 Firmen, die sich auch um den Häftlingsfreikauf durch die Bundesrepublik, mit Waffenlieferungen und die Ausfuhr von Kunst und alten Möbeln beschäftigten.

Hightech und Luxusgüter beschafft

In der DDR hatte der Sohn einen staatenlosen Russen, der später vom Ehepaar Schalck adoptiert wurde, eine steile Karriere hingelegt. Noch vor dem Ende seines Wirtschaftsstudiums wurde er schon im Jahr 1956 Hauptabteilungsleiter im Außenhandelsministerium in Ost-Berlin. Ab 1966 war er für den neu gegründeten Bereich Kommerzielle Koordinierung zuständig. Im Ministerium für Staatssicherheit war er ein Offizier im besonderen Einsatz (OiBE). Eine geheime Dissertation schrieb er mit seinem Führungsoffizier Oberst Heinz Volpert an der Stasi-Hochschule. „Doktorvater“ war Stasi-Chef Erich Mielke, obwohl der weder Abitur noch einen selbst erworbenen akademischen Grad hatte.

Von der DDR-Nomenklatura wurde Schalck-Golodkowski hofiert, denn er war nicht nur der Beschaffer dringend benötigter Embargoware wie Hightech aus dem Westen, sondern auch der Besorger von Luxuswaren aller Art für die hohen SED-Funktionäre. Mal musste eine Luxuskarosse beschafft werden, mal Farbfernseher. Mit der Friedlichen Revolution der DDR stand Schalck plötzlich im Mittelpunkt der Strafverfolgungsbehörden. Seine Zentrale in der Berliner Wallstraße wurde von Volkspolizisten durchsucht, die kistenweise Material beschlagnahmten. Noch in der Nacht zum 3. Dezember 1989 suchte er in West-Berlin Schutz vor Staatsanwälten und empörten Bürgerrechtlern. Nach der Wende stellte er sich der bundesdeutschen Justiz und kam für etwa sechs Wochen in Untersuchungshaft. Ein Auslieferungsantrag der DDR-Staatsanwaltschaft wurde abgelehnt. Vielmehr wurde Schalck ein begehrter Gesprächspartner des Bundesnachrichtendienstes. Dank seiner jahrzehntelangen guten deutsch-deutschen Kontakte und mithilfe alter Freunde brachte er es auch im vereinigten Deutschland schnell wieder zu einigem Wohlstand. Geld verdiente er mit seiner Neugründung Dr. Schalck & Co. Vermutet wurden auch geheime Konten im Ausland, was aber nie bewiesen werden konnte. Mitte der 90er-Jahre wurde der Außenhändler wegen illegaler Waffengeschäfte und Embargovergehens zu Bewährungsstrafen verurteilt. 50 Ermittlungsverfahren hatte es gegeben, in späteren Verhandlungen wurde er aber wegen eines Krebsleidens geschont. Das lasche Vorgehen der Justiz gegen den Devisenjongleur war Anlass für Spekulationen über seine zu engen Kontakte zu westdeutschen Behörden.

Schalck-Golodkowski lebte bis kurz vor seinem Tod zurückgezogen mit seiner zweiten Ehefrau Sigrid in Rottach-Egern am Tegernsee. Interviews verweigerte er seit 2000. Die letzte öffentliche Äußerung von ihm stammt aus einer Talkshow im Jahr 2000. Damals sagte er über sein Wirken für die DDR: „Ick hab’ für die DDR gekämpft und wir haben am Ende verloren.“