Deutschland muss sich mit dem demografischen Wandel arrangieren; aufhalten lässt sich die dramatische Entwicklung nicht mehr. Das ist die Botschaft, die Roderich Egeler mit nach Berlin gebracht hatte, wo der Präsident des Statistischen Bundesamtes die Prognose seiner Statistiker für die Entwicklung der Bevölkerung bis 2060 vorstellte. Demnach werden in 45 Jahren hierzulande deutlich weniger Menschen leben als heute. Die Statistiker gehen davon aus, dass die Bevölkerung von heute 81 Millionen Menschen in den kommenden fünf bis sieben Jahren leicht wachsen wird, um danach stark abzunehmen: Im Jahr 2060 dürften hierzulande nur noch zwischen knapp 68 Millionen und gut 73 Millionen Menschen leben.
Wie stark die Bevölkerung innerhalb dieser breiten Spanne tatsächlich schrumpfen wird, hängt auch davon ab, wie sich Geburtenrate und Zuwanderung entwickeln. Auf eine genaue Zahl wollen sich die Statistiker, die für die Prognose vergangene Entwicklungen fortschreiben, nicht festlegen.
Sicher sind sie sich, dass die Alterung der Gesellschaft nur unmerklich gebremst von Zuwanderung und familienpolitischen Maßnahmen voranschreiten wird: Während heute noch jeder Fünfte hierzulande 65 Jahre oder älter ist, soll es im Jahr 2060 bereits jeder Dritte sein. Getrieben wird diese Entwicklung von der höheren Lebenserwartung, die zudem in den kommenden Jahren weiter steigen wird.
Diese Entwicklung hat erheblichen Einfluss auf den Arbeitsmarkt: Bis 2060 soll die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 64 Jahren stark schrumpfen: Je nach der Stärke der Zuwanderung würde die Zahl um 23 Prozent bis 30 Prozent sinken. Für die Sozialsysteme ist dieser Wandel eine erhebliche Belastung: Kommen heute auf 100 Menschen im Erwerbsalter 34 Seniorinnen und Senioren, würden es 2060 bereits 60 und damit beinahe doppelt so viele sein.
Zwar steigt dank junger Zuwanderer der Anteil der jungen Menschen an der Bevölkerung, und weil junge Menschen mehr Kinder bekommen, wird auch die Geburtenrate steigen. Das allein wird nicht genügen, um die fortschreitende Alterung aufzuhalten.
Denn einmal in Gang gesetzt, lassen sich Bevölkerungsentwicklungen nur über sehr lange Zeiträume wieder umkehren. Die jährliche Geburtenrate liegt hierzulande seit über vier Jahrzehnten auf dem Niveau von 1,4 Kindern pro Frau und dürfte auch in den kommenden Jahren konstant bleiben.
Um die Erwerbstätigkeit auf dem heutigen Niveau zu halten, genügt mehr Zuwanderung nicht. Die Statistiker gehen davon aus, dass das Renteneintrittsalter bis 2060 auf 74 Jahre steigen müsste. Wegen der steigenden Zahl älterer Menschen wäre das Verhältnis von Erwerbstätigen und Senioren immer noch schlechter als heute.

