Gründerzeit

Die dritte Karriere des Nicolas Zimmer

Jürgen Stüber über den Politiker, der Anwalt ist, Politiker war und jetzt als Entrepreneur das Verlegen von Büchern demokratisieren will

Anwalt, Politiker, Entrepreneur – Nicolas Zimmer, der ehemalige Staatssekretär der Senatswirtschaftsverwaltung und heutige Vorstandsvorsitzende der Technologiestiftung Berlin, hat Liber.io gegründet, eine Internet-Plattform für das Veröffentlichen elektronischer Bücher mit einem Klick.

Wer Liber.io benutzen will, schreibt zunächst seinen Text, speichert ihn dann in der Internet-Cloud bei Google Drive und exportiert ihn anschließend mit Liber.io in alle führenden Online-Buchläden wie Amazon (Kindle) und Google Play. Das Programm verfügt über verschiedene Beispiellayouts (Templates), erstellt automatisch Inhaltsverzeichnisse und bietet Design-Muster für das Cover an.

„Liber.io soll kein technisches Produkt sein, sondern ein intuitives Werkzeug, mit dem meine Mutter mit einem Klick ein Kochbuch im Internet veröffentlichen kann“, sagt Zimmer. Liber.io soll einfacher zu bedienen sein als herkömmliche Editor-Programme für das ePub-Format. Zielgruppen des Produkts sind natürlich Autoren. Aber auch Lehrer, die Kursmaterialien mit ihren Schülern teilen wollen. Studierende, die ihre Masterarbeit veröffentlichen wollen, und Ingenieure, die eine Gebrauchsanleitung für ein technisches Produkt schreiben.

„Es war überraschend, wie viele Lehrer sich für das Produkt interessierten“, berichtet Zimmer aus der privaten Beta-Phase des Projekts. „Sie können mit ihren Schülern auf Google Play gemeinsam an Projekten arbeiten und diese anschließend mit Liber.io veröffentlichen.“ Wissen zu verbreiten, sei die Idee des Projektes.

Die Basis-Version der neuen Plattform soll kostenfrei bleiben, sagt Zimmer. Ferner plant er eine kostenpflichtige Premiumvariante für Autoren, die Liber.io kommerziell für sich nutzen wollen. „Da sind viele Modelle denkbar“, sagt Zimmer. Zum Beispiel die Bereitstellung einer Internationalen Standardbuchnummer (ISBN), die jedes katalogisierte Buch braucht, oder so genannte White Labels. Das bedeutet neutrale Benutzeroberflächen, die der Autor nach seinen Wünschen gestalten kann. Mitgründerin der Plattform – und für die intuitive und ansprechende Benutzeroberfläche verantwortlich – ist Cat Noone, eine Designerin aus San Francisco, die seit einiger Zeit in Berlin arbeitet. Das Programm hat Zimmer selbst geschrieben. „Ich habe schon zu Schulzeiten mit Computern Geld verdient“, sagt er. In den 80er-Jahren moderierte er die Ratgeber-Sendung „Computertelefon“ beim Berliner Radiosender Rias. Später studierte er nicht nur Jura, sondern auch Computerwissenschaften. Und als Politiker widmete er sich besonders der Forschungspolitik.

Er stammt aus einer Verlegerfamilie und fühlt sich dieser Tradition verbunden. Die im Jahr 1892 gegründete Berliner Verlagsanstalt gehört zum Zimmerschen Familienbesitz. „Ich möchte das Publishing demokratisieren“, beschreibt Zimmer die Motivation für seine GRündung. Und dazu bedarf es nur eines Klicks – auf Liber.io.