Eva-Maria Welskop-Deffaa zieht eine erstaunliche Bilanz: „Es war eine gute Zeit im Familienministerium“, sagt sie. Aber zunächst lief ja auch alles wie am Schnürchen. Ursula von der Leyen hatte sie vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken, wo die Volkswirtin das Referat Wirtschaft und Gesellschaft leitete, ins Ministerium geholt. Als Verantwortliche für Gleichstellung und Chancengleichheit erarbeitete sich die heute 54-Jährige schnell einen Ruf. Sie sorgte dafür, dass ein Gleichstellungsbericht veröffentlicht wurde, und setzte sich auch als eine der Ersten für das Konzept der „Lebenslaufpolitik“ ein – zum Beispiel in der Personalentwicklung. Nachdem Kristina Schröder Ursula von der Leyen an der Spitze des Familienministeriums abgelöst hatte, blieb die Christdemokratin Welskop-Deffaa weiter in ihrer Position. In der Öffentlichkeit fiel sie höchstens als Vertreterin des Ministeriums bei Fachkonferenzen auf.

Dann kam jener Freitagnachmittag im Juli 2012, als ihr Kristina Schröder unter vier Augen eröffnete, sie sei in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Zum Inhalt des Gesprächs will sich Welskop-Deffaa nicht äußern. Sie sagt nur, dass sie die Entscheidung völlig „überrascht“ habe. Die E-Mail, mit der Ministerin Schröder drei Tage später die anderen Mitarbeiter über ihren Schritt unterrichtete, war genauso wenig aufschlussreich. Darin dankte sie Welskop-Deffaa für „ihre langjährige Arbeit“ und kündigte an, die Unterabteilungsleiterin Renate Augstein zur Nachfolgerin machen zu wollen. Auch außerhalb des Ministeriums interessierte man sich für die Entlassung: „Rauswurf der letzten Hoffnung“, schrieb die „Süddeutsche Zeitung“, „Zickenkrieg im Familienministerium“ der „Focus“. Der Deutsche Juristinnenbund schaltete sich ein, die rund 1600 Frauenbeauftragten der Kommunen schrieben einen Protestbrief, und die SPD-Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese stellte eine kleine Anfrage, in der sie nach einer Begründung für den Rauswurf fragte. Doch laut Bundesbeamtengesetz müssen bei der Versetzung in den einstweiligen Ruhestand von politischen Beamten – und das war Welskop-Deffaa – überhaupt keine Gründe angegeben werden.

Natürlich gab es Spekulationen. Die in der Quotendiskussion unter Druck stehende Schröder habe sich daran gestört, dass Welskop-Deffaa im Gegensatz zu ihr Befürworterin einer starren Frauenquote gewesen sei, lautet eine. „Ich glaube, wir brauchen eine gesetzliche Regelung, die auch sanktionsbewehrt ist“, sagt Welskop-Deffaa dazu. Das könnte aber auch eine Flexi-Quote, wie Schröder sie anstrebt, sein. Im Übrigen sei es ihre Abteilung gewesen, die nach Schröders Vorschlag den ersten Gesetzentwurf zur Flexi-Quote ausgearbeitet habe.

Erste Jobangebote erreichten die offenbar gut Vernetzte jedenfalls bald, rasch kam es gar zu Gesprächen mit Verantwortlichen der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di.

Dort fand Welskop-Deffaa am Ende tatsächlich ein neues Betätigungsfeld: Sie wurde mit fast 80 Prozent der Stimmen in den Bundesvorstand von Ver.di gewählt. Jetzt, am 1.Juni, hat sie offiziell angefangen. Als Volkswirtin will sie für Veränderungen bei den Minijobs kämpfen, denn die hätten „keine Brückenfunktion in die Vollerwerbstätigkeit, vor allem bei den Frauen nicht“. Auch für eine bessere Anerkennung der Kinderziehungszeiten und gegen eine „Zwangsverrentung“ von Hartz-IV-Empfängern will sie sich einsetzen. Die sogenannte Bedarfsgemeinschaft hält sie „für den größten Unfug des SGBII“: Da würden in manchen Fällen Arbeitnehmer zu Aufstockern gemacht, weil der Partner oder die Partnerin HartzIV beziehe. Keine Frage, den Gewerkschaftsduktus beherrscht Welskop-Deffaa bereits.