Extremismus

Ein Berliner schürt die Angst

Der mutmaßliche Salafist Dennis C. aus Kreuzberg droht in einem Video mit Anschlägen in Deutschland

- Der Mann, der in einem Video mit Anschlägen in Deutschland droht, gab sich schon immer als harter Hund. Die Bilder auf seiner Facebook-Seite zeigen Dennis C., den Einpeitscher der Islamisten, noch 2010 als Rapper Deso Dogg: Ein tätowierter Schriftzug ("Afrighana") auf dem austrainierten Oberkörper. Mal mit schwerer Kette um den Hals, mal mit Boxhandschuhen, immer mit bösem Blick. Schon in seiner Jugend habe der Sohn einer Deutschen und eines Ghanaers im kriminellen Milieu in Kreuzberg verkehrt und war Gang-Mitglied, heißt es. Ganz der harte Straßenkämpfer.

Trotz Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz und Haftstrafen in der JVA Tegel macht er Musik. Ein Zusammenbruch samt Aufenthalt in der Psychiatrie verhindert die Teilnahme an einer Konzert-Tour, heißt es in seinem Facebook-Profil. Dennis C. macht weiter, sucht die Unabhängigkeit von Produzenten, fühlt sich enttäuscht und betrogen von der deutschen Rap-Szene. 2010 ist sein Lied "Willkommen in meiner Welt" in einem ARD-Film zu hören.

Das dürfte das letzte Mal gewesen sein, dass seine Musik einem breiteren Publikum zu Ohren kommt. Ende 2010 beendet Deso Dogg seine Musikkarriere und tritt seither als islamischer Prediger Abou Maleeq auf. Seine Facebook-Fotos zeigen ihn in religiöser Kleidung vor einer Moschee, die Tattoos an den Armen so gut wie verdeckt. Auf einem der letzten Bilder trägt er jedoch ein T-Shirt: "I'm Muslim, not terrorist"- Ich bin Muslim, kein Terrorist.

Das hat sich möglicherweise geändert. Im Sommer 2011 verherrlicht er Osama Bin Laden und den Dschihad in einem Lied. Ein Jahr später, im Mai dieses Jahres, findet die Polizei in seiner Wohnung eine mutmaßliche Sprengstoff-Weste. Offiziell ist Dennis C. zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in Berlin gemeldet. Er ist abgetaucht. Seitdem suchen ihn die Sicherheitsbehörden. In einem Video, das das ZDF am Dienstag ausstrahlte, hat der Anführer einer verbotenen Salafistengruppe nun nach einem Bericht des ZDF mit Anschlägen in Deutschland gedroht. "Ihr werdet nicht mehr in Sicherheit leben", droht der mutmaßliche Salafist in dem Video, das kurz vor seiner Ausreise aus Deutschland im Juni aufgenommen worden sein soll. "Ihr setzt Millionen und Milliarden ein für den Krieg gegen den Islam. Und deshalb ist dieses Land hier, die Bundesrepublik Deutschland, ein Kriegsgebiet", sagte C. in dem Video, das offenbar nahe dem Kölner Doms gedreht wurde.

Abgetaucht in Ägypten

In dem Video, das nach dem Bericht möglicherweise als Grundlage für ein Märtyrervideo dienen sollte, ruft C. Muslime in Deutschland zum Heiligen Krieg auf: "Setzt euch ein für den Dschihad, wandert aus oder führt ihn hier durch." Der untergetauchte Salafistenführer richtet seine Botschaft demnach direkt an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), "Innenminister und Außenminister". "Wir werden den Dschihad in eure Länder bringen", sagt C. "Solange ihr unser Blut vergießt, grabt ihr hier euer eigenes Grab." Mehrfach ist seine Tasche im Bild, deren Adidas-ähnliches Logo den Schriftzug "alqaida" sowie ein Flugzeug zeigt, das in drei große Blöcke fliegt.

Dennis C. war am 5. Mai 2012 an den Ausschreitungen bei einer Demonstration in Bonn beteiligt, bei denen mehrere Polizisten durch Messerstiche verletzt wurden. Nach dem Verbot seiner Organisation Millatu Ibrahim soll er sich derzeit mit zahlreichen gewaltbereiten Anhängern in Ägypten aufhalten.

Der Präsident des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke, zeigte sich im ZDF besorgt darüber, dass etwa 20 gewaltbereite Dschihadisten in Deutschland "auf gepackten Koffern sitzen", um sich in Ländern des Nahen Ostens für den Kampf ausbilden zu lassen. Gefährlich werde es, "wenn diese Leute in Ausbildungslagern waren und eventuell zurückkehren hier nach Deutschland". Nach den Recherchen des Senders hat das Terrornetzwerk al-Qaida Kontaktmänner nach Ägypten und Syrien entsandt, um Kampfwillige für Anschläge in Westeuropa anzuwerben.

Bundeskriminalamt-Präsident Ziercke warnte vor einer Eskalation der Gewalt zwischen islamfeindlichen und salafistischen Gruppen. Durch Provokationen rechter Gruppen wie Pro NRW, Pro Deutschland und auch NPD schaukle sich der Konflikt auf, sagt Ziercke in der ZDF-Dokumentation "ZDFzeit: Deutschland in Gefahr? - Kampf gegen den Terror".

Die Rechtsextremen wollten Gewaltaktionen von salafistischen Muslim-Gruppierungen auslösen. "Hier ist das Spiel mit dem Feuer eindeutig", sagte Ziercke. "Wer Karikaturenwettbewerbe in Deutschland durchführt, wer Moscheen-Touren veranlasst, der weiß, was er tut." Auch bei den islamfeindlichen Gruppen selbst gebe es ein zunehmendes Gewaltpotenzial, berichtet die ZDF-Dokumentation.

Ziercke sieht in dem Video von Dennis C. ein Alarmsignal: "Das sind so erste Hinweise darauf, dass jemand sich tatsächlich entschlossen hat, als Märtyrer möglicherweise zu sterben."