Kasner wurde 1926 in Berlin-Pankow geboren. Er studierte in Hamburg evangelische Theologie. 1954, wenige Tage nach der Geburt der Tochter Angela, siedelte die Familie mit dem Säugling im Tragekorb von Hamburg in die DDR über.
Zu DDR-Zeiten war Kasner einer der einflussreichsten Kirchenoberen, er leitete in Templin den "Waldhof", eine Ausbildungsstelle der Berlin-Brandenburgischen Kirche. Und er gehörte zu den umstrittenen evangelischen Pastoren.
Manche Kritiker haben ihm unterstellt, er sei als überzeugter Freund des Sozialismus in die DDR gezogen. Doch damals herrschte Pfarrermangel im Osten, die Kirche wurde verfolgt und drangsaliert. In den heute noch erhaltenen Papieren der DDR wird Kasner in seiner Frühzeit als "Gegner unseres Arbeiter-und-Bauern-Staates" bezeichnet. Später jedoch erhielt er den Beinamen "roter Kasner".
Zweifellos hatte sich Kasner in der DDR arrangiert. Es ist nicht auszuschließen, dass er dies auch dem Schutz seiner Kinder zuliebe getan hat. Der Pfarrerstochter Angela rieten die Eltern früh: "Du musst besser sein als alle anderen, nur so kannst du die Oberschule und die Universität besuchen." Angela ging, was als ein Stück Auflehnung des Vaters interpretiert werden konnte, nicht zur DDR-"Jugendweihe", allerdings ihre jüngeren Geschwister.
Kasner habe Autorität ausgestrahlt und Menschenkenntnis besessen, erinnert sich eine ehemalige Mitschülerin Merkels. Ein Pfarrerkollege sagte: "Geistig wollte er nicht den DDR-Mief. Er war ein Nischendenker. Er konnte motivierend wirken. Aber er war nicht ein wirklicher DDR-Kritiker, er hatte seine Nische gefunden, er wusste, wo die Grenzen sind, um nicht mit dem Staat in Konflikt zu kommen."
Angela Merkel berichtete in einem Interview: "Er hat immer viel gearbeitet. Arbeit und Freizeit flossen bei ihm zusammen, und manchmal hat er sich mit der Arbeit vielleicht auch von den Familienpflichten ferngehalten." Als Kind sei es nicht einfach gewesen, weil alles immer "ordentlich und perfekt" sein musste.
Merkels Vater dominierte die Familie, sein "unnahbares" Wesen, seine Strenge, sein Absolutheitsanspruch haben die Tochter, die die Liebe das Vaters suchte, gekennzeichnet. Vielleicht ist die Tatsache, dass sie nach der Wende nicht etwa zu den Grünen, wohin sie viele Freunde eher verorteten, sondern zur CDU gegangen ist, so etwas wie eine politische Emanzipation von ihrem Elternhaus.

