Nach den Störfällen im japanischen Atomkraftwerk Fukushima ist in Deutschland die Nachfrage nach Geigerzählern sprunghaft angestiegen. Davon berichtet etwa der Messgerätehersteller Graetz aus Altena. "Wir sind ausverkauft bis zur 16. Kalenderwoche", sagt Geschäftsführer Uwe Rische. Neben Polizei, Zoll, Grenzschutz und der Nuklearmedizin kämen jetzt ganz neue Kundenkreise auf ihn zu, betont Rische. Dazu zählten Reedereien mit Schiffen in japanischen Gewässern und Japan-Reisende.

Strahlenschutzexperten halten solche Messgeräte für Privatleute allerdings für wenig hilfreich. Wenn der Laie nichts über die überall vorhandene Hintergrundstrahlung wisse, könne er nicht unterscheiden, ob der gemessene Wert auf diese natürliche Radioaktivität oder auf künstliche Strahlung zurückzuführen sei, sagt eine Sprecherin des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS). Auch der Strahlenschutzexperte von Greenpeace, Christoph von Lieven, hält wenig von Geigerzählern für privat. "Der Wert allein sagt nicht viel über die mögliche Gefährdung aus, und mit der Interpretation sind viele Bürger vermutlich überfordert", meint er. Bei der Firma Gamma-Scout, einem der weltweit führenden Hersteller von Geigerzählern für den Privatgebrauch, ist die Zahl der Bestellungen innerhalb weniger Tage um das 20-Fache gestiegen. Die Anfragen kämen aus Deutschland, aber auch aus Japan und den USA, so eine Firmensprecherin.

Für Geologen und Schrotthändler

Seit 1999 stellt Gamma-Scout aus Schriesheim in Baden-Württemberg die handlichen Geigerzähler her. Firmengründer Georg Dieter Mirow hat das Gerät entwickeln lassen. Die Idee entstand nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl 1986. Mehrere Tausend Geräte pro Jahr habe das Unternehmen bislang weltweit verkauft, hauptsächlich an Geologen, Ärzte, Piloten und Schrotthändler.

Der Kritik von Fachleuten am Einsatz durch Laien widerspricht die Firmensprecherin. "Die Geräte sind einfach zu bedienen und überfordern niemanden. Wer Interesse an der Materie hat und sich ein wenig damit befasst, kann die Messwerte auch interpretieren", findet sie. Einen ersten Anhaltspunkt könnten die Werte des "Integrierten Mess- und Informationssystems zur Überwachung der Umweltradioaktivität" (IMIS) des Bundesumweltministeriums geben. Im Internet können die Werte der 1800 Messpunkte aus dem Bundesgebiet abgerufen werden. Angegeben wird die über den Tag gemittelte sogenannte Gamma-Ortsdosisleistung. Sie liegt je nach Standort zwischen 0,08 und 0,18 Mikrosievert pro Stunde.

dpa