Seinem Spitznamen "Roter Rambo" hat er oft alle Ehre gemacht. Gestern hat Schleswig-Holsteins gestern SPD-Innenminister Ralf Stegner seinen Rücktritt angekündigt. Der 47-Jährige ist ein Freund klarer Worte, polarisiert und provoziert gern, weicht Konflikten nicht aus. Er taugte deshalb von Anfang an bestens zum Lieblingsgegner beim Koalitionspartner CDU. Übertriebene Harmoniesucht hat dem SPD-Landesvorsitzenden, der im März mit überraschend hohen 90 Prozent auf diesen Posten gewählt wurde, noch niemand nachgesagt. Nun hat Stegner mit seinem Profilierungskurs den Regierungspartner allerdings bis aufs Äußerste gereizt. Der auf Koalitionsharmonie bedachte CDU-Ministerpräsident Peter Harry Carstensen hatte ihn schon mehrfach "rauswerfen" wollen. Bis heute gelang es jedoch immer wieder, die Wogen zu glätten.
Geboren als Sohn eines Gastwirts in Rheinland-Pfalz, machte Ralf Stegner aber im nördlichen Bundesland Schleswig-Holstein Karriere. Zunächst Pressesprecher im Sozialministerium, wurde der rhetorisch brillante und ehrgeizige Harvard-Absolvent 1996 Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Soziales, Jugend und Gesundheit in Kiel, wechselte 1998 im gleichen Rang ins Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur. Im März 2003 wurde der Fußballfan und leidenschaftliche Skatspieler zum Minister für Finanzen des Landes Schleswig-Holstein ernannt. Er war dann seit der missglückten Wiederwahl von Heide Simonis am 17. März 2005 nur noch geschäftsführend im Amt.
Stegner galt in Schleswig-Holstein lange als Kronprinz, der Heide Simonis im Amt des Ministerpräsidenten beerben könnte. Seit dem 27. April 2005 gehört er als Innenminister dem von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) geführten Kabinett der großen Koalition an. In dieser Funktion setzte sich Stegner für eine Verschärfung des Polizeirechts mit derart weitreichenden Kontroll- und Überwachungsbefugnissen durch, dass sogar die Christdemokraten ihre Wünsche übertroffen sahen. Dennoch sagt auch die Sozialdemokrat Stegner von sich, sein Herz schlage "am richtigen Fleck", und der sei links. Das Ziel, zur nächsten Landtagswahl 2010 Spitzenkandidat der SPD zu werden, hatte Stegner nie dementiert. Der notorische Fliegenträger lebt mit seiner Frau Sibylle und den drei Söhnen Fabian, Simon und Tilman in Bordesholm bei Kiel.
BM

