Bangkok - Politiker in Singapur zu sein lohnt sich. Premierminister Lee Hsien Loong, der älteste Sohn von Staatsgründer Lee Kuan Yew hat für seinen Ministerrat eine Lohnerhöhung von satten 83 Prozent vorgeschlagen. Ein Minister soll rund 1,47 Millionen US-Dollar im Jahr verdienen. Lee selber steckt bereits 1,8 Millionen Dollar ein. Zum Vergleich: US-Präsident George W. Bush bekommt 400 000 Dollar, Bundeskanzlerin Angela Merkel bekommt geschätzte knapp 260 000 Euro.
Lee begründet die Gehälter damit, dass Spitzenleute in der Regierung auch Spitzensaläre wie in der Privatindustrie erzielen sollten. Die hohen Gehälter sollen zudem Korruption verhindern.
Wegen der hohen Behördenlöhne ist Korruption in Singapur tatsächlich kein Thema, zumal sich Beamte nicht den Kopf darüber zerbrechen müssen, wie sich teure Wohnungen und Autos wie ihre Kollegen in der Privatwirtschaft zu leisten.
Doch eine Verdoppelung von Singapurs Ministersalären hat jetzt auch im sonnigen Stadtstaat, wo Kritik an der Regierung kaum gehört ist, Debatten ausgelöst.
Viele Singapurer leiden schon so unter wachsendem Kostendruck und sinkendem Lebensstandard.
Die vom Staat zensierte Presse gibt sich bedeckt zum Thema. Schärfer geht es in Singapurs unkontrollierbarer Blogwelt zu und her. "Unser größtes Problem", schreibt Blogger Aaron Ng: "Wir haben keine Kontrollinstanzen. Wenn Minister höhere Löhne wollen, wer erlaubt das?"
Singapurs Kluft zwischen der Mittelklasse und Topverdienern wächst beständig. Die obersten 20 Prozent verdienen immer besser, während die Einkommen am unteren Ende fallen. Die Sozialhilfe für Notleidende beträgt monatlich 260 Singapur-Dollar (umgerechnet 171 US-Dollar).
Premier Lee wirft Kritikern vor, "keinen Sinn für Proportionen" zu haben. Warum eine Lohnerhöhung über insgesamt 31 Millionen US-Dollar für Topleute kritisieren, was bloß 0.022 Prozent von Singapurs Bruttosozialprodukt ausmache.
Mit seinem Jahreseinkommen verdiene er einen "Bruchteil" von Managern in der Privatindustrie, so Lee: "Für Leute wie mich muss man den Marktpreis bezahlen. Sonst gehen diese Leute zu Morgan Stanley, Lehman Brothers oder Goldman Sachs. Dann habt ihr Inkompetente an der Spitze, die Milliarden verschleudern."
Daniel Kestenholz

