Raumfahrt

„SpaceShip Two“ explodiert über der Wüste

Binnen weniger Tage muss die private Raumfahrtindustrie einen weiteren schweren Rückschlag hinnehmen. Das Raumschiff „SpaceShip Two“ des Unternehmens Virgin Galactic ist am Freitag bei einem Testflug in Kalifornien abgestürzt.

Ein Augenzeuge sagte, es sei nach dem Start über der Mojave-Wüste explodiert. Behördenangaben zufolge kam ein Pilot ums Leben. Ein zweiter Pilot wurde schwer verletzt. Virgin Galactic teilte mit, es habe während des Flugs eine „ernsthafte Anomalie“ gegeben, die zum „Verlust von SpaceShip Two“ geführt habe.

Das für den Weltraumtourismus vorgesehene Raumschiff wird in der Regel von zwei Piloten geflogen. Es sei explodiert, nachdem es von einem Flugzeug losgelassen worden sei, das es in große Höhe bringen sollte, sagte der Fotograf Ken Brown, der das Unglück beobachtete. Virgin Galactic machte keine näheren Angaben zu dem Zwischenfall. Es erklärte lediglich, man werde eng mit den Behörden zusammenarbeiten, um die Ursache des „Unfalls“ zu ermitteln.

Das vom britischen Milliardär Richard Branson gegründete Unternehmen steht an der Spitze der noch jungen Weltraumtourismusindustrie. „SpaceShip Two“ war so konzipiert, um von einem speziell entworfenen Jet in die Höhe getragen und dann losgelassen zu werden. Anschließend sollte seine Rakete gezündet werden, um einen Flug ins Weltall zu ermöglichen. Als Gleitflugzeug sollte das Raumschiff dann wieder zur Erde zurückkehren. Nach Abschluss der Entwicklung des Raumschiffs wollte Virgin Galactic erste Weltraumflüge für Touristen anbieten. Diese sollten vom Raumfahrtzentrum Spaceport America im Süden des US-Staats New Mexico aus starten.

Weit über 800 Passagiere haben für das Abenteuer in dem gut 18 Meter langen Raumflugzeug bereits bezahlt. Darunter sollen auch Stars wie die Hollywood-Schauspieler Tom Hanks und Angelina Jolie sowie der Sänger Justin Bieber sein, wie Medien berichteten. Der Preis soll bei rund 200.000 Dollar liegen. Der Unternehmer Branson wollte als einer der ersten Passagiere selbst an Bord gehen. Erst am Dienstag war eine unbemannte Versorgungsrakete der amerikanischen Betreiberfirma Orbital Sciences kurz nach dem Start zur Internationalen Raumstation ISS explodiert. Für das US-Raumfahrtprogramm, das auf die Zusammenarbeit mit externen Unternehmen angewiesen ist, war die Explosion ein erheblicher Dämpfer. Die Raumfahrtbehörde Nasa zahlt den privaten Firmen Orbital Sciences und SpaceX Milliarden für Frachtflüge zur ISS. Ab 2017 wollen SpaceX und Boeing auch damit beginnen, Astronauten zur ISS zu bringen.