Das wohl bestgehütete Geheimnis des deutschen Porno-Unternehmers Fabian Thylmann, 34, hat neun Ziffern und ein Dollarzeichen. Es ist ein Darlehen, das ihm geholfen hat, zum wohl weltgrößten Anbieter von Internetpornografie aufzusteigen. Mit dem Millionen-Kredit finanzierte Thylmann in den vergangenen zwei Jahren die rasante Expansion seiner Firmengruppe Manwin. Heute gehören zu seinem Reich populäre Pornoseiten wie „Youporn“, „MyDirtyHobby“ oder „Reality Kings“ – eine Melange aus Gratis- und kostenpflichtigen Internetangeboten, die täglich von vielen Millionen Menschen angeklickt werden.

Um wie viel Geld es bei dem Kredit ging und wo es genau herkam: Darüber hat Thylmann bislang geschwiegen. „Ich werde Ihnen nicht die Summe nennen“, sagte er Anfang vergangenen Jahres in Las Vegas bei einem seiner sehr seltenen öffentlichen Auftritte, „bitte fragen Sie nicht nach.“ Es handele sich um Gelder eines im New Yorker Finanzdistrikt Wall Street ansässigen Hedgefonds, erklärte er nur. Seither spekulierte die Branche in Internetforen und Blogs.

Vergangenen September wurden fragwürdige Geschäftsmethoden bei Manwin öffentlich, außerdem das Volumen des am 28. April 2011 vereinbarten Darlehens: 362 Millionen US-Dollar. Als Treuhänder dient eine Firma namens CB Agency Services mit Sitz in Delaware, einem amerikanischen Bundesstaat, der als Steueroase gilt. Handelsregisterunterlagen der CB Agency Services waren so angelegt, dass die Hintermänner nicht zu ermitteln waren. Die Spur zu den Geldgebern endete hier. Bislang.

Nach neuen Informationen der „Berliner Morgenpost“ führt die Spur des Geldes tatsächlich an die Wall Street. Die CB Agency Services ist eine Tochterfirma der 2009 gegründeten Colbeck Capital Management. Auch diese ist in Delaware gemeldet, die Chefs aber sitzen in New York, in exklusiver Lage nahe dem Central Park. Es sind zwei Ex-Angestellte der Investmentbank Goldman Sachs: Jason Colodne und Jason Beckman. Colbeck ist eine Wortschöpfung aus den beiden Nachnamen. Auch CB steht für die Initialen der Banker.

Jason Colodne und Jason Beckman haben zwischen 1998 und 2004 bei Goldman Sachs gearbeitet. Sie kümmerten sich damals um „Distressed Assets“, Vermögenswerten mit hohem Risiko, aber auch hohen Zinsen. Heikle Deals eben. Wie jener mit Thylmann. „Wegen der hohen Reputationsrisiken hätte unser Investmentkomitee ein solches Engagement nicht abgesegnet“, sagt ein Manager, der für einen renommierten angelsächsischen Hedgefonds gearbeitet hat.

Das Schmuddel-Image schreckt offenbar viele Investoren ab. Auch Goldman Sachs distanziert sich heute von den ehemaligen Mitarbeitern und legt wert auf die Feststellung: „Wir hatten und haben keine Geschäftsbeziehung zu Colbeck Capital Management und deren beiden Gründern.“

Ganz nach oben ging es für Colodne und Beckman bei Goldman Sachs nie. Sie schafften es in der Hierarchie nur bis zur dritten von fünf Managementstufen. Trotzdem gehören sie seit Längerem zur New Yorker High Society und pflegen einen extravaganten Lebensstil. Internet-Fotos zeigen sie bei Beach-Partys, auf Luxus-Yachten, bei Charity-Empfängen, an der Seite prominenter Footballspieler und in albernen Halloween-Kostümen. Das Duo lässt sich mit echten Prominenten ablichten und mit solchen, die es gerne wären. Beckmans Verlobte ist Fabiola Beracasa, eine Angehörige der Verleger-Dynastie Hearst. Jason Colodne erlangte in den USA einige Bekanntheit durch sein Ausscheiden aus dem Private-Equity-Unternehmen Patriarch Partners. Er hatte 2008 einen Gastauftritt neben seiner damaligen Lebensgefährtin in der Reality-Show „The Real Housewives of New York City“. Offenbar Grund genug für seinen damaligen Arbeitgeber, ihn zu feuern. Colodne verklagte Patriarch Partners auf 55 Millionen Dollar Schadensersatz. Man einigte sich damals hinter verschlossenen Türen und spricht heute nicht mehr öffentlich darüber.

Kapitalvermittler für Manwin

Erstmals reagierte nun auch Manwin schriftlich auf einen Fragenkatalog der „Berliner Morgenpost“. Die Antworten fielen dünn aus. Man könne zu Geldgebern und Geldvermittlern nichts sagen und sei gebunden an „verschiedenen Vertraulichkeitsvereinbarungen“.

Eines scheint jedoch wahrscheinlich zu sein: Die beiden Wall-Street-Banker sind nicht die wirklichen Geldgeber, sie fungieren nur als Kapitalvermittler für Manwin und kassieren Gebühren für ihre Dienste. Woher aber stammt dann das Geld für den Millionen-Kredit an den deutschen Porno-Unternehmer? Den beiden Bankern werden heute unter anderem Geschäftsbeziehungen zum Milliardär und Eigentümer des Eishockey-Vereins Pittsburgh Penguins, Ronald Wayne Burkle, nachgesagt. Dessen Geld sei aber nicht zu Thylmann geflossen, wie Colbeck Capital betont.