Freispruch

Überraschung im Concorde-Prozess

US-Fluggesellschaft Continental wird freigesprochen, muss aber zahlen

Überraschung im Berufungsprozess um den Absturz des Überschallflugzeugs Concorde: ein Berufungsgericht sprach am Donnerstag die US-Fluggesellschaft Continental und zwei ihrer Angestellten von der Verantwortung für die Katastrophe mit 113 Toten frei. Continental, die seit einer Fusion im Jahr 2010 zu United Airlines gehört, muss aber an die französische Airline Air France eine Million Euro zahlen und an andere Parteien 300.000 Euro. Der Anwalt von Continental zeigte sich zufrieden über den Freispruch zwölf Jahre nach dem Unglück, bei dem auch 97 Deutsche starben. Die Passagiere wollten nach New York fliegen und von dort aus zu einer Kreuzfahrt starten. Vier der Opfer starben im Hotel, in das die Maschine stürzte. Die Katastrophe läutete das Ende der französisch-britischen „Donnervögel“ ein.

„Nach zwölf Jahren, in denen mit dem Finger auf Continental Airlines als Verantwortliche gezeigt wurde, äußert sich die Justiz endlich, um zu sagen, dass Continental nicht verantwortlich ist“, sagte Continental-Anwalt Olivier Metzer. „Dieser Prozess war von den französischen Behörden und Politikern verpestet“. Vor zwei Jahren hatte ein Gericht in Pontoise die Continental in erster Instanz zu einer Geldstrafe von 200.000 Euro verurteilt. Die Richter folgten damals der These, dass die Concorde beim Start über eine Titan-Lamelle gerollt war, die von einer Continental-Maschine abgefallen war. Dabei platzte ein Reifen der Concorde und Gummiteile beschädigten das Flugzeug. Keine zwei Minuten nach dem Abheben stürzte die Maschine ab. Continental sollte außerdem der französischen Fluglinie Air France eine Million Euro an Schadensersatz zahlen. Air France und die französisch-britische Concorde wurden dagegen von jeder Verantwortung freigesprochen. Die US-Airline ging gegen das Urteil in Berufung. Continental-Anwalt Metzner warf Air France vor, die Concorde trotz bekannter Mängel am Treibstofftank in die Luft geschickt zu haben. Außerdem berief sich die US-Airline auf Zeugen, die die Concorde schon in Flammen gesehen haben wollen, bevor sie über die Lamelle fuhr. Die Concorde-Flüge wurden gut drei Jahre nach dem Unglück eingestellt. Für die Angehörigen der deutschen Opfer hat das Berufungsurteil nur noch symbolische Bedeutung: Sie wurden bereits entschädigt.

Die Concorde war das einzige Überschallflugzeug der zivilen Luftfahrt im Dauereinsatz. Das russische Pendant Tu-144 wurde nach wenigen Monaten eingemottet. Eine Reise mit der von British Airways und Air France eingesetzten Maschine konnten sich aber nur wenige leisten. Ein Trip von London nach New York kostete mehr als 10.000 Euro. Etwa 100 Passagiere fanden in dem silbernen Flieger Platz, der mit mehr als zweifacher Schallgeschwindigkeit in dreieinhalb Stunden über den Atlantik düste. Die Geschwindigkeit hatte ihren Preis: Die Concorde verbrannte 25.600 Liter Treibstoff in der Stunde.