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Die illegale Burg im Weinberg

Volker Sieradzki hat ein Problem, und dieses Problem ist eine Burg. Genauer gesagt: Seine Burg, denn er hat sie in Südhessen in die Weinberge gesetzt, ohne dafür Papiere zu haben. Nun droht dem Schwarzbau in Heppenheim an der Grenze zu Baden-Württemberg in der Nähe von Weinheim (Rhein-Neckar-Kreis) die Abrissbirne.

Die Burg müsse weg, sagen die Behörden. Die Statik sei nicht in Ordnung, der Bau deshalb gefährlich, meint der Landkreis Bergstraße. So sieht es auch die Stadt Heppenheim.

Der selbst ernannte Burgherr Volker Sieradzki - viele Südhessen kennen ihn als Imker vom Heppenheimer Wochenmarkt - schüttelt nur den Kopf. Der 45-Jährige versteht die Welt nicht mehr. Immerhin baue er seit 2004 an der Burg aus Lehm, Holz und Steinen. "Früher ist keiner gekommen und hat sich beschwert. Das hier war doch allen bewusst", sagt der Bauherr. Spaziergänger, die an der Burg vorbeiflanieren, werfen einen Blick auf das Gebäude - und laufen scheinbar unbeeindruckt weiter. Die Weinberge hätten ihm gehört, bis es Geldprobleme gegeben habe, erzählt Sieradzki. Er habe Sozialwissenschaften studiert, gejobbt und neben Weinbergen auch Bienen gehabt. Jedes Jahr habe er ein Stück Gelände gekauft, Gewinn aus dem Wein in seine Burg investiert. Rund 25 000 Euro habe er reingesteckt. "Eine Spitzenleistung". Viel Burg für wenig Geld, da er dazu gebrauchtes Material benutzt und die Kosten so weit wie möglich gedrückt habe.

Auf Behörden ist er schlecht zu sprechen, zum Beispiel auf das Finanzamt. Eine Nachzahlung von mehreren Tausend Euro sei fällig gewesen. "Vom Finanzamt gab es eine Breitseite von Briefen. Die habe ich im Einzelnen gar nicht geöffnet, die liegen gestapelt da", erzählt er beim Gang durch die Burg, wo noch vieles wie eine Baustelle aussieht. Heppenheims Bürgermeister zeigt ein bisschen Herz für Sieradzki, hält aber den Abriss der Burg für alternativlos. "Man muss zwar Respekt haben für diese Leistung", sagt Rainer Burelbach (CDU). "Gleichwohl: Es ist illegal."

Hochgekocht ist das Thema bei einem Termin am Amtsgericht Bensheim. Dort ging es im Januar um die Zwangsversteigerung von zwei Flächen, auf denen die Burg steht. Von dieser Nachricht überrascht, setzte die Rechtspflegerin Kerstin Simrock den Termin ab. Die Zwangsversteigerung ist erst einmal verschoben.