Wie das Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" am Sonnabend vorab meldete, erschienen die Ermittler Anfang vergangener Woche in insgesamt sechs Objekten in Berlin, Duisburg, Essen und Köln sowie im bayerischen Taufkirchen und im fränkischen Schlüsselfeld, dem Firmensitz von Schallers Sportstudiokette McFit. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte, dass Durchsuchungen stattgefunden hätten. Zu Details wollte er sich nicht äußern. Nach Angaben des "Spiegels" geht aus dem Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Duisburg hervor, dass vor allem "Daten über die Organisationsstruktur", "Auftragsunterlagen" und "Personaldaten" der auf der Loveparade eingesetzten Mitarbeiter gesichert werden. Laut dem Sprecher der Staatsanwaltschaft ist derzeit noch nicht abzusehen, bis wann die Ermittlungen abgeschlossen sein werden und über eine mögliche Anklage entschieden wird.

Unterdessen belegen laut "Spiegel" neu aufgetauchte Dokumente der Duisburger Stadtverwaltung, dass sich die Polizei vor der Loveparade von den Organisatoren getäuscht fühlte. Im Vorfeld der Loveparade gab es Arbeitsgruppen, in denen alle Beteiligten an einem Tisch saßen. Dazu gehörten Vertreter des Veranstalters, der Stadt und der Polizei. In einer Sitzung der Arbeitsgruppe Sicherheit hatte der Düsseldorfer Polizeidirektor Jörg Schalk bereits Mitte Juni das dubiose PR-Konzept angeprangert: Die öffentlichen "Aussagen des Veranstalters" wichen "erheblich von denen ab, die in den Sicherheitsbesprechungen benannt wurden", wird Schalk in dem vertraulichen Protokoll zitiert, das dem "Spiegel" vorliegt.

Obwohl das Gelände nur für 250 000 Besucher zugelassen war, hatten Veranstalter Schaller und Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) stets von mehr als einer Million erwarteten Besuchern gesprochen. Schalk warnte, dass die "eigentliche Veranstaltungsfläche ab einer gewissen Besucherzahl überfüllt sein" werde. Es werde "zu Rückstauungen auf den Wegführungen" kommen. Das wiederum werde "zu einem nicht mehr funktionierenden Wegekonzept" führen. Dieses Szenario trat später dann auch ein. Es kam zu der verhängnisvollen Massenpanik. Sauerland hatte bereits zugegeben, die Öffentlichkeit bewusst über die erwarteten Besucherzahlen der Loveparade getäuscht zu haben.

Der Tunnel, durch den Zehntausende Besucher auf das Gelände geführt wurden, barg laut "Spiegel" noch ein anderes Risiko. Experten hätten bereits im April vor einer möglichen Überflutung gewarnt: "Bei Unwetter sammelt sich Wasser im Tunnel."

Mehrere Tausend Menschen haben gestern in Berlin an der so genannten Fuckparade teilgenommen, einer Demonstration für Subkultur. Gemeinsam mit dem Gründer der Loveparade, Dr. Motte, hatten die Teilnehmer zum Auftakt eine Schweigeminute für die Opfer der Katastrophe bei der Loveparade in Duisburg eingelegt. Die Fuckparade gibt es seit 1997. Damals hieß sie Hateparade und verstand sich als Gegenveranstaltung zur Loveparade.

BM