Ausland

Zwei Deutsche als Vorbild für China

Neben den beiden Russen Lenin und Stalin nahmen auch zwei Deutsche auf Chinas Revolutions- und Aufbauzeiten im letzten Jahrhundert Einfluss: Karl Marx und Friedrich Engels. Für die jüngsten 30 Jahre der Reformen und Öffnung, die der Volksrepublik zum weltweiten Aufstieg ins 21.Jahrhundert verhalfen, waren Ideologen jedoch nicht mehr gefragt.

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Pekings Büro für Auslandsexperten ließ jetzt eine neue Favoritenliste erstellen, welche Ausländer die Entwicklung Chinas seit 1978 am stärksten beeinflussen konnten. Unter den 15 Persönlichkeiten sind Japaner, USA-Chinesen wie der weltberühmte Architekt Ieoh Ming Pei, der eine Generation chinesischer Baumeister prägte, der Physik-Nobelpreisträger Yang Chen-ning oder auch der kanadische Wirtschafts-Nobelpreisträger Robert A. Mundell, der Berater der Bank of China wurde.

Aber auch zwei Deutsche sind wieder darunter. Doch trotz Bundesverdienstkreuze sind sie in ihrer eigenen Heimat kaum bekannt. Mit 65 Jahren machte der Ingenieur Werner Gerich aus Bretten bei Karlsruhe in China zum zweiten Mal Karriere. Als Seniorexperte wurde er 1985 von Bonn aus zur Entwicklungshilfe in die zentralchinesische Stadt Wuhan geschickt, um eine Dieselmotorenfabrik technisch zu optimieren. Der einstige Qualitätsprüfer beim Kernforschungsinstitut Karlruhe wollte mit deutscher Gründlichkeit den maroden Staatsbetrieb auf. Vordermann bringen. Er fiel dabei dem Reformflügel unter Chinas Spitzen-Politikern auf. Sie brauchten ihn als Vorarbeiter für den Neuaufbau ihres Landes. Peking ernannte ihn kurzerhand zum Generaldirektor des Unternehmens und machte ihn so zum ersten ausländischen Fabrikchef in China seit der Revolution 1949. Gerich wurde Wegbereiter für den neuen Marsch von der sozialistischen Misswirtschaft in die Marktwirtschaft. Mitte der achtziger Jahre musste die gesamte Staatsindustrie von dem deutschen Rentner lernen, mit dem höchste Politiker in Peking Tee tranken. Ehrenbürger Gerich starb 2003 und erlebte nicht mehr, wie ihm 2005 die Stadt Wuhan eine Bronzebüste aufstellte. Als zweite Vorbild-Deutsche wählte Peking die blinde Kölnerin und Tibetologin Sabriye Tenberken. Sie nahm Einfluss auf Chinas Behindertenpolitik als die heute 38-Jährige mit ihrem Lebensgefährten Paul Kronenberg 1998 in Tibet ein Ausbildungszentrum für Blinde aufbaute. Sie entwickelte eine offizielle Blindenschrift für Tibetisch und wurde Gründerin der Organisation "Braille ohne Grenzen".